Sonntag, 8. August 2010

Konjunkturprognose

DIW-Zimmermann hat seinen Prognoseverzicht zu Beginn der aktuellen Wirtschaftskrise erneut verteidigt.

"Wir ordnen uns den Medien unter" Er wollte auf Konjunkturprognosen verzichten. Jetzt sagt Klaus Zimmermann uns wieder die Zukunft voraus. Warum? Von Marc Brost, Mark Schieritz DIE ZEIT, 5. August 2010.

Insofern zu recht, als eine Prognose in ihrer Qualität immer abhängig ist von dem zugrunde gelegten Prognose-Modell. Und Konjunkturforscher im Allgemeinen wie das DIW im Besonderen sind nicht bekannt dafür, in ihren Modellen Krisen-Szenarien vorzusehen. So häufig solche auch in der Wirklichkeit sich ereignen mögen. Insofern zieht der Ökonom vor, Philosoph zu bleiben und zu schweigen.

Er bleibt dadurch auch Politiker. Denn Zimmermann beruft sich auch noch auf die krisenverschärfende Wirkung einer Prognose, die der Wirklichkeit zu nahe komme. Vielleicht könnte hinterher jemand behaupten, dass die Krise erst durch die DIW-Prognose hervorgerufen worden sei.

Das weist auf die grundlegende Krux der herrschenden Ökonomie hin: Erklärungen werden post factum gemacht. Die Modellannahmen liegen a priori fest. Nachdem der Fakt passiert ist, wird hinterher die passende Erklärung zurecht geschustert, gerade wie sie zu den festliegenden Hintergrunds-Annahmen passend erscheint. Insofern ist Paretos Theorie der Residuen und der ihnen entsprechenden Rationalisierungen zwar sehr vage, aber immer noch wirklichkeitsadäquater als jedweder ökonomisch-mathematische Formalismus.

Die wahre wissenschaftliche Methode bestünde aber darin, Modellannahmen zuvor unabhängig von ihren Deduktionen an der Wirklichkeit zu überprüfen. Und insbesondere unterschiedliche Modellierungen miteinander zu konfrontieren, inwieweit sie den wirklichen Tatsachen entsprechen.

Und dann ist natürlich auch der sozialstrukturelle und institutionelle Datenkranz eines ökonomischen Modells explizit anzugeben. Nur so kann man nicht nur konjunkturelle Extrapolationen, die auf einer historischen Fortschreibung einer als dauerhaft unterstellten Struktur beruhen, ersetzen durch Modelle des sozio-ökonomischen Wandels, die auch Strukturbrüche ("Transformationen" ?!) vorsehen.

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