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Donnerstag, 7. April 2011

Poppers Utopismus-Kritik

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Unter „Utopismus“ verstand Popper den Versuch:
1. eine Tabula rasa herzustellen, d.h. alles auszuwischen, insbesondere was man von Tradition und Geschichte weiß oder sonst wie vorhanden ist und so hernach
2. eine Utopie zu konstruieren, d. h. völlig losgelöst von historischen Erfahrungen oder praktischen Erwägungen eine neue Gesellschaftsordnung zu entwerfen. (1)

Die damit angesprochene Verfahrensweise des Utopismus entspricht völlig der des klassischen Rationalismus, insbesondere dem Kantschen Apriorismus; nicht aber der Methode Hegels, die eine kritische Alternative zu Kant entwickelt hat, und keinesfalls dem Ansatz Marxens, der Hegels Dialektik zu einer materialistischen Praxis wendet, die von in einer historischen Situation „wirklichen“ Individuen“ ausgeht. (2)

Dies zu konstatieren ist gewiss nicht ohne Ironie; denn Popper selbst folgt (trotz des von ihm verkündeten Fallibilismus) hierbei grundsätzlich der nämlichen Methode Kants. Im Grunde geht jede Modellmethode diesen Weg; insbesondere aber jede vertragstheoretische Argumentation, wie sie bis heute noch beliebt und im Schwange ist. (3) Wenn auch Marx im „Kapital“ streckenweise der Modellmethode Ricardos folgt, so nicht, ohne dies soziologisch und historisch mit „Anfangsbedingungen“ zu unterfüttern und dialektisch in seine Konstruktion der Totalität einzubinden, womit er den Gefahren des Ricardian vice zu entgehen sucht.

Doch wenn Popper zum Beispiel seine Methode der Stückwerks-Technik der utopistischen Sozialtechnik gegenüberstellt, so tut auch er das völlig im luftleeren Raum, also auf einer tabula rasa, die explizit von allen historischen, empirischen oder Situationsinformationen und Erwägungen gereinigt und hygienisch keimfrei ist. Die einzige dominante Überlegung, der Popper dabei nachgeht, ist hierbei die, dass kleine Schritte (immer und überall!) ungefährlicher seien als große. Die Wahrheit einer solchen Trivialität kann man indessen bestreiten, und das hat so manch einer wirklich getan und tatsächlich auf sich genommen. (4)

Übrigens ist Poppers Alternativradikalismus (5), den er in seiner dualistischen Kategorienbildung (ebenso wie Talcott Parsons' pattern variables!) Kants Kategoriendualismus verpflichtet. Man führt diese Darstellungsweise oft auf den Manichäismus zurück. Die Problematik ist somit längstens und hinlänglich bekannt, spätestens seit Hegel. So ist hierzu die Parodie des Junghegelianers Bruno Bauer köstlich zu lesen. (6)

In der Utopiekritik hat Popper selbstverständlich auch schon Vorgänger, nämlich in Marxens und Engels' Kritik des utopischen Sozialismus. Es wird wohl schwer fallen, herauszufinden, was Popper hier Neues erfunden hat, außer dass er diese Kritik an Marx selber gerichtet hat und seinen Namen darunter gesetzt.(7)

Es ist bei diesem Problem jedoch wie bei so vielen anderen: Marx konstruiert hierbei nicht im luftleeren Raum, sondern setzt mit seiner theoretischen Arbeit bei einem Text eines anderen Autors an, den er manchmal sogar erst einmal exzerpiert, um dann am konkreten Fall argumentativ Gegenpositionen zu entwickeln. Dies altbewährte Verfahren wird von kritischen Rationalisten indes noch viel zu wenig angewandt. Daran ist vermutlich der schlimme Einfluss Poppers schuld, der sich zum Kampf der Ideen und Theorien lieber selber aprioristische Pappkameraden fabriziert. So wird von ihm fast frei von jeglichen Belegstellen in der Literatur ein Pappkamerad „Historizismus“ erfunden, der dann genau so belegfrei mit Marxismus oder anderem identifiziert zu werden pflegt. Dieses treffliche Verfahren wird dann auch noch dreist dazu verwendet, Marx unwissenschaftliches Vorgehen zu attestieren.

Es ist schließlich eine besondere popperizistische Unsitte, bei der Darstellung Popperscher Lehrstücke kritiklos und unbesehen der Popperschen Selbstdarstellung zu folgen, oder deren Trivialität, wo es stellenweise möglich erscheint, noch zu übertreffen. So hält man gewöhnlich, Popper nachplappernd, das piecemeal engineering für eine Übertragung des Falsifikationismus auf das Gebiet strategischen Handelns. Wenn man aber wirklich über Poppers Axiome nachdenkt, so müsste man aus der Lerntheorie des Versuchs und Irrtums (8) und dem Fallibilismus (9) eigentlich folgern, nicht dass man utopisches Denken verdammte, sondern fördern sollte. Wie beim Brainstorming müssen Alternativen erst erfunden werden, bevor man sie per Kritik massakrieren kann. Poppers Utopismuskritik ist daher eher unter die Fälle zu rubrizieren, wo ein Philosoph seine eigene Methode (bzw. Position) nicht versteht (bzw. nicht handzuhaben weiß). Übrigens hält Popper in seiner Darstellung und bei seiner Evaluation die Frage der Wahrheit von Theorien von der Frage ihrer praktischen Umsetzbarkeit nicht gebührend auseinander.

1) Hans-Joachim Niemann: Die Utopiekritik bei Karl Popper und Hans Albert. Aufklärung und Kritik, Nr. 1, S. 1-13 (1994).
2) Alan Swingewood: Marx and Modern Social Theory. Titree, Essex 1975. / John McMurtry: The Structure of Marx’s World-View. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1978.
3) Hartmut Esser, Klaus G. Troitzsch: Modellierung sozialer Prozesse. Informationszentrum Sozialwissenschaften, Bonn 1991. ISBN 3-8206-0075-2. ISSN 0934-5469.
4) Gorol Irzik: Popper's Piecemeal Engineering: What is Good for Science is not always Good for Society, The British Journal for the Philosophy of Science, vol. 26, 1985: 1-10. (Reprinted in Karl Popper: Critical Assessments of Leading Philosophers (ed). A. O’Hear, vol. IV, Routledge, 2004.)
5) Ausdruck von Hans Albert
6) Bruno Bauer: Die Posaune des jüngsten Gerichts über Hegel, den Atheisten und Antichristen. Ein Ultimatum. Leipzig 1841 (Neudruck: Aalen 1969)
7) „Die moderne Socialdemokratie setzt ihren Stolz darin, den socialistischen Utopismus theoretisch überwunden zu haben, und soweit die Zukunftsstaatsmodelei in Betracht kommt, unzweifelhaft auch mit Recht. Kein zurechnungsfähiger Socialist schreibt heute Zukunftsbilder in dem Sinne, dass durch sie der Menschheit gesagt werden soll, so und nicht anders darf es sein, wenn vollkommenes Glück auf Erden herrschen soll, hier das Recept, das am schnellsten und sichersten zum gewünschten Ziele führen wird. Was socialistischerseits an Zukunftsspeculationen heute noch vorgebracht wird, sind entweder Versuche, den wahrscheinlichen Gang der Entwicklung zur socialistischen Gesellschaftsordnung in allgemeinen Umrissen zu skizzieren, oder mit mehr oder weniger Talent entworfene Gemälde eines socialistischen Gesellschaftszustandes, die nichts als Phantasiebilder zu sein beanspruchen. Auch da kann noch mancher utopistische Gedanke mit unterlaufen, aber die eigentliche Utopie, die mit dem Anspruch auftritt, „Recept für die Garküche der Zukunft zu sein“, kann als ausgestorben betrachtet werden.
Es giebt indes noch eine andere Art Utopismus, der leider nicht ausgestorben ist. Dieser besteht in dem entgegengesetzten Extrem des alten Utopismus. Man vermeidet ängstlich alles Eingehen auf die zukünftige Gesellschaftsorganisation, unterstellt aber dafür einen jähen Sprung von der capitalistischen in die socialistische Gesellschaft. Was in der ersteren geschieht, ist alles nur Flickerei, Palliativ und „capitalistisch“, die Lösungen bringt die socialistische Gesellschaft, wenn nicht in einem Tage, so doch in kürzester Zeit. Ohne an Wunder zu glauben, unterstellt man Wunder. Es wird ein grosser Strich gemacht: hier die capitalistische, dort die socialistische Gesellschaft.“
Eduard Bernstein: Utopismus und Eklekticismus. (1896).
8) William Berkson, John Wettersten: Lernen aus dem Irrtum. Die Bedeutung von Karl Poppers Lerntheorie für die Psychologie und die Philosophie der Wissenschaft. Mit einem Vorwort von Hans Albert, Hamburg 1982 / John R. Wettersten: The Roots of Critical Rationalism. Amsterdam Atlanta, GA 1992.
9) W. W. Bartley, III: Flucht ins Engagement, Tübingen 1987 (zuerst: La Salle, Ill. 1962).

Samstag, 2. April 2011

Mittwoch, 30. März 2011

Hegel ein Proto-Nazi?!

Cassirer (2007) fällt in dasselbe Genre wie Poppers „Offene Gesellschaft“. Das heißt, es ist eines der zeitgenössischen Bücher, die das Entstehen des Totalitarismus geistesgeschichtlich erklären wollen. Damit teilt Cassirer (2007) dieselbe grundsätzliche Kritik, die man einem rein geistesgeschichtlichen Ansatz in dieser Frage entgegenhalten muss. Eine „Beeinflussung“ von Philosoph zu Philosoph und sodann zu Politiker ist empirisch-wissenschaftlich meist nicht gesichert oder auch nur die Frage des historischen Vorgangs damit erklärt. (Kann man Ideen ideengeschichtlich widerlegen?)

Doch es ist wohl Walter Kaufmann zuzustimmen, der Cassirer (2007) in Gegensatz zu Popper für ein wissenschaftliches Werk hält, das üblichen akademischen Ansprüchen an einen Gelehrten genügt.

Umso gravierender ist dann folgender Einsprengsel, der gar nicht mit Cassirers sonst differenzierter Behandlung Hegels zusammepasst:
„Unlike Novalis, Hegel is not interested in the beauty of the state but in its ‘truth’. And according to him this truth is not a moral one; it is rather ‘the truth which lies in power’. ‘Men are as foolish as to forget […] in their enthusiasm for liberty of conscience and political freedom, the truth which lies in power.” (Die Verfassung Deutschlands, S. 89) These words written in 1801, about 150 years ago, contain the clearest and most ruthless program of fascism that has ever been propounded by any political or philosophic writer.” (S. 264)
Ernst Cassirer: The Myth of the State. Gesammelte Werke, Band 25 (ECW25). Meiner 2007.

Die polemische Charakterisierung Hegels als Proto-Nazi gibt Cassirers Belegstelle weder her, noch steht diese punktuelle Charakterisierung Hegels mit der übrigen Hegel-Darstellung von Cassirer (2007) in Einklang. Sie steht so wenig in Einklang, dass Kaufmann bedenkenlos Cassirer als Antipode der Hegel-Legende anführen kann. Doch hier an der oben zitierten Stelle scheint Cassirer der Legende selbst nachgeben zu wollen, vielleicht ein unbeabsichtigt gezollter Tribut an die Epidemiologie der Hegel-Phobie.

Dass politische Prozesse von der Macht geprägt sind, das ist seit Machiavelli ein Gemeinplatz, und dieses hat Cassirer (2007) selbst am besten herausgearbeitet. An solchen Stellen rächt sich, dass derlei geistesgeschichtliche Betrachtungen keinen historischen oder empirisch-wissenschaftlichen Begriff von Totalitarismus oder Nationalsozialismus haben. Man muss sich vielmehr fragen, ob der geisteswissenschaftliche Ansatz überhaupt geeignete Instrumente bereitstellt, um sich der neuen Wirklichkeit nach 1914 zu nähern.

Es ist bezeichnend, dass Kaufmanns und Cassirers differenzierte Hegel-Lektüre nicht gehindert haben, dass die Hegel-Legende und nicht die differenzierte Hegel-Kritik heute noch verbreitet werden.
„So war auch der Nationalsozialismus eine Überwältigung des Menschen durch politische Mythen. Cassirer sah die Keime hierzu bereits im Nationalismus der Romantik und in den Ideen des Absoluten im Deutschen Idealismus gelegt, insbesondere bei Hegel, der sowohl den Gedanken der Heldenverehrung als auch den Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln goutierte.“
Ernst Cassirer, Wikipedia.de, 30. März 2011.

Es gilt Greshams Gesetz: das Schlechtere setzt sich stets durch.

Popperizismus und Fallibilismus

Eberhard Döring: Karl R. Popper: ‚Die offene Gesellschaft und ihre Feinde‘. UTB 1920. Paderborn 1996. ISBN 3-8252-1920-8.

Döring (1996) behauptet eine Übereinstimmung von Poppers Methodologie (3) mit seiner politischen Theorie. Er kennzeichnet die eine mit Falsifikationismus, die andere mit dem Abwählbarkeitsprinzip (wie bei John Stuart Mills, On Liberty). Das eine hat aber mit dem anderen wenig zu tun; eine Analogie beider Prinzipien kann nur erkennen, wer diese sehen will.

Zudem jedoch, es ist Poppers Methodologie mit "Falsifikationismus" nicht ausreichend beschrieben. Dies gibt dem Popperizismus zu großen Missverständnissen Anlass.(1)

Poppers wahrlich revolutionäre Wissenschaftstheorie zeichnet sich durch Fallibilismus und Theorienpluralismus aus, wie er durch seine Schüler Bartley, Feyerabend und andere weitergeführt wurde.(5)
Ob indes für die Konzeption des Fallibilismus Peirce die Priorität als Entdecker geltend machen könnte, diese Frage mag zurecht als „Professorengezänk“ gelten.

Poppers als Fallibilismus verstandene Methodologie ist im Rahmen des bisherigen Wissenschaftsverständnisses betrachtet dermaßen kontra-induktiv, dass sie auf Anhieb meist missverstanden wird. Und man muss hinzufügen: von Popper selbst in seiner politischen Philosophie nicht mit eigenen Händen methodisch umgesetzt oder gar exemplarisch vorgeführt wird. Popper folgt stattdessen einer Schattenmethodologie, die sich der herkömmlichen Begriffe und Anschauungen bedient. Es wird Poppers Falsifikationismus als Methodologie zu folgen deklariert; praktiziert wird jedoch die herkömmliche Methodologie mit Rechtfertigung von gesicherten Wissensansprüchen oder definitiv falsifizierten Theorien.

Deutlich wird das, wenn man den Begriff des Wissens betrachtet, wie er von Popper und seinem Kommentator Döring (1996) hier verwendet wird. Wenn Döring (1996) von „Wissen“ (bzw. von „wissenschaftlich gesichert“) spricht, so meint er damit wie herkömmlich „gewisses Wissen“, d.h. das in seiner Wahrheit gesichert ist. Gemäß Poppers Fallibilismus ist jedoch alles Wissen, auch wissenschaftliches, konjektural, d.h. hypothetisch. (4) Döring (1996) erkennt die damit verbundene Problematik mitnichten ; er spricht von „Falsifikationismus“ , als ob er eine hierin den herkömmlichen Wegen vergleichbare Methode darstelle, Wissen im Sinne von herkömmlich verstandener Wissenschaft zu produzieren.

Für den Fallibilismus als Erkenntnismethode ist jedoch die Kühnheit in der Aufstellung von Theorien wichtig (also gewissermaßen Spekulation im Hegelschen Sinne! Heute spricht man eher von „brain storming“.) und die anschließende Konfrontation derselben mit kritischen Argumenten. Zur Gewinnung kritischer Alternativen ist Theorienpluralismus gefordert. In seiner politischen Theorie, wenn man Poppers „Offene Gesellschaft“ dafür halten will, tritt Popper jedoch als Theorienmonist auf, der entgegengesetzte Theorien in Schwarzweiß-Manier malt, diffamiert und nach Kräften endgültig (2) widerlegen will. Einen diametraleren Gegensatz zu Fallibilismus und Theorienpluralismus kann man sich schwerlich vorstellen.

Man kann sich nun darüber streiten, inwieweit sich die erkenntnistheoretische Positionen des Fallibilismus und des Theorienpluralismus überhaupt zur Propaganda politischer Überzeugungen eignen. Ein Propagandist, der sich nicht von der Wahrheit der eigenen Ideen überzeugt hält, ist wohl überall ein schlechter Propagandist. Mit einer Ausnahme vielleicht: Wer wie Sokrates intellektuelle Redlichkeit und Bescheidenheit verbreiten will, tut dies am besten mit dem eigenen Vorbild.

(1)
“The problem of demarcation is to find a criterion that permits us to distinguish between statements that belong to the empirical sciences (theories, hypotheses) and other statements, particularly pseudo-scientific, prescientific, and metaphysical statements; but also mathematical statements; but also mathematical and logical statements. The problem of demarcation is to be distinguished from the far more important problem of truth: theories which have been shown to be false - as for example the radiation formulae of Rayleigh-Jeans and of Wien, or Bohr’s atom model of 1913 - can nethertheless retain the character of empirical, scientific hypotheses.

Although, following Tarski, I do not believe that a criterion of truth is possible, I have proposed a criterion of demarcation - the criterion of falsifiability. My proposal was that a statement (a theory, a conjecture) has the status of belonging to the empirical sciences if and only if it is falsifiable.” (S. xix)
(2)
“There are a number of important falsifications which are as ‘definitive’ as general human fallibility permits. Moreover, every falsification may, in its turn, be tested again.” (S. xxiii)
(3)
“I do not regard methodology as an empirical discipline, to be tested, perhaps by the facts of the history of science. It is, rather, a philosophical - a metaphysical - discipline, perhaps partly even a normative proposal. It is largely based on metaphysical realism, and on the logic of the situation: the situation of a scientist probing into the unknown reality behind the appearances, and anxious to learn from mistakes.” (S. xxv)
(4)
“In this sense of the word, ‘knowledge’ always means ‘true and certain knowledge’; and ‘to know’ leans, in addition, to be in possession of sufficient reason for holding that our knowledge is true and certain. But; I said, there was no such thing as scientific knowledge in this sense.” (S. 12)

“On the contrary, measured by the high standards of scientific criticism, ‘scientific knowledge’ always remained sheer guesswork – although guesswork controlled by criticism and experiment. … I ended by saying that merely by recognizing that scientific knowledge consists of guesses or hypotheses, we can solve the problem of induction without having to assume a principle of induction, or any limits to empiricism.
…
If we assume that what is called ‘scientific knowledge’ consists only of guesses or conjectures, then this assumption is sufficient for solving the problem of induction – called by Kant ‘the problem of Hume’ – without sacrificing empiricism; that is to say, without adopting a principle of induction and ascribing to it a priori validity.” (S. 13).

“We never address ourselves to completely open minds. However open minded an audience may be, they cannot help harbouring, if only subconsciously, connected theories, views, and expectations about the world, and even about the ways in which we learn to know it. They have adopted positions; usually typical positions: ‘isms’.
…
One of the oldest, more interesting and perhaps more important tasks of philosophy is the critical examination of such ‘positions’ and the theories or views they involve – especially those which are uncritically taken for granted. In doing so it is often found that there are clusters of related views related by common assumptions, by common preferences, or by common dislikes.” (S. 4)

(5)
“Yet I differ from both the sceptic and the irrationalist in offering an unambiguously affirmative solution of another, third, problem, which, though similar to the problem of whether or not we can give valid positive reasons for holding a theory to be true, must be sharply distinguished from it. The third problem is the problem whether one theory is preferable to another – and, if so, why. (I am speaking of a theory’s being preferable in the sense that we think or conjecture that it is a closer approximation to the truth, and that we even have reasons to think or to conjecture that it is so.)
…
I will call such reasons critical reasons, in order to distinguish them from those positive reasons which are offered with the intention of justifying a theory, or in other words, of justifying the belief in its truth.
…
But although critical reasons can never justify a theory, they can be used to defend (but not to justify) our preference for it: that is, our deciding to use it, rather than some, or all, of the other theories so far proposed. … Our preferences are ‘justified’ only relative to the present state of our discussion.
…
… I will now give Bartley’s view of the new problem situation which has arisen. He describes the situation very strikingly by saying that, after having given a negative solution to the classical problem of justification, I have replaced it by the new problem of criticism, a problem for which I offer an affirmative solution.” (S. 20)

Karl Popper: Realism and the Aim of Science. From the Postcript to the Logic of Scientific Discovery. Edited by W. W. Bartley, III. Rowman and Littlefield Totowa, New Jersey.1983. ISBN: 0-8476-7015-5.

Das Elend des Popperizismus

Freitag, 2. Januar 2009