Montag, 2. Februar 2009

Heiner Flassbeck

Es ist jetzt schon bald ein Jahr her, da hatte Heiner Flassbeck gesagt:

"Durch den extremen Export-Boom der letzten Jahre ist Deutschland viel verwundbarer, als es jemals vorher war. Das wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Von daher spricht alles dafür, dass es doch einen gewaltigen Rückschlag in diesem Jahr geben wird. Man sieht ja in den USA: Die diskutieren sofort ein Konjunkturprogramm. Bei uns ist das Tabu. Natürlich muss man etwas gegensteuern. Man muss. Zum Beispiel kann man darauf vorbereiten, öffentliche Investitionen sehr schnell in Gang zu setzen, was sicher sehr viel direkter und unmittelbarer wirkt als Steuersenkungen oder ähnliche Dinge, die jetzt so am Rande diskutiert werden. Also man kann sich vorbereiten und insofern muss man hier ein vollständiges Umdenken in Berlin einfordern."

Die Krise will man in Berlin erst gar nicht wahrhaben. Und dann werden Gegenmaßnahmen nicht recht vorbereitet, nur halbherzig ins Auge gefasst und kommen schließlich viel zu spät an. Der letzte Hit ist dann die politische "Kommunikation" der herrschenden Ideologen: Die Täter seien die Opfer, und die wirklichen Opfer seien die Schuldigen.

Konjunkturpolitik ist in Deutschland nach wie vor ein öffentliches Unwort, und J. M. Keynes ein Verfemter. Es gilt halt in der deutschen Provinz immer noch der Hamburger Appell, womit sich Deutschlands ökonomischer Mainstream bedingungslos dem Neoliberalismus, auf Gedeih und Verderb, verschrieben hatten. Bezeichnend für diesen ideologischen Diskurs sind die Anschuldigungen gegenüber einem angeblichen "Linkskeynesianismus", nachdem das DIW einen Regierungsauftrag verloren hatte.[Beschluss des Wirtschaftsministeriums: DIW bei Konjunkturprognose nicht mehr dabei. Tagesschau 3.7.2007]

Hierzu betrachte man näher als Exempel den Fall Gustav Horn:

"Horn studierte 1973 - 1979 Volkswirtschaftslehre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit dem Abschluss Diplom-Volkswirt. Als DAAD-Stipendiat erwarb er 1981 einen internationalen Abschluss als Master of Science an der London School of Economics and Political Science. Von dort wechselte er für fünf Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstuhl für Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Konstanz.

Von 1986 bis 2004 war er beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin tätig. 1992 promovierte er an der TU Berlin. Nachdem er schon 1998 - 1999 kommissarisch die Konjunkturabteilung des DIW geleitet hatte, übernahm er diese Position 2000 - 2005 auch offiziell. Zwischendurch erfolgte 2001 seine Habilitation im Fach Volkswirtschaftslehre bei Prof. Jürgen Kromphardt. Seine Entlassung als "Konjunkturchef" des DIW erregte seinerzeit großes Aufsehen in der Öffentlichkeit; sie wurde von Heiner Flassbeck, der eben dieselbe Position schon inne gehabt hatte, gewertet als Zeichen für eine Abkehr des Instituts von seiner überlieferten keynesianischen Programmatik."

[Heiner Flassbeck: Glasperlenspiel oder Ökonomie. Blätter für deutsche und internationale Politik 09/2004]

Flassbeck: "Die wichtigste Maßnahme ist, die Bankenregulierung jetzt anzufassen, das Kasino zu schließen, wesentlich höhere Eigenkapitalvorschriften durchzusetzen und das internationale Währungssystem zu stabilisieren, also zu verhindern, dass Länder, jetzt noch mehr Länder über die Klippe fallen."

Heiner Flassbeck im Gespräch mit Jochen Spengler


Heiner Flassbeck studierte von 1971 bis 1976 Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes. Danach arbeitete er bis 1980 im Assistentenstab des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Er promovierte 1987 zum Dr. rer. pol. an der Freien Universität Berlin mit dem Thema: Preise, Zins und Wechselkurs - Zur Theorie der offenen Volkswirtschaft bei flexiblen Wechselkursen.

Nachdem er seit 1980 im Bundeswirtschaftsministerium in Bonn tätig gewesen war, wechselte er im Jahre 1986 zum DIW in Berlin, wo er an Arbeitsmarkt- und Konjunkturanalysen und über wirtschaftspolitischen Konzepte arbeitete. 1990 übernahm er beim DIW die Leitung der Abteilung Konjunktur.

Nach dem Regierungswechsel im Oktober 1998 wurde er zum Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen berufen. Er beriet den damaligen Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine bei dessen Vorhaben, gemeinsam mit dem französischen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn eine keynesianische Finanz- und Währungspolitik auf europäischer Ebene zu etablieren. Nach dem Ausscheiden Oskar Lafontaines im März 1999 als Bundesfinanzminister endete im April 1999 auch Flassbecks Tätigkeit als Staatssekretär.

Nach Betätigung als freier Wissenschaftler, Autor und Publizist wechselte er November 2000 nach Genf, wo er als Chef-Volkswirt (Chief of Macroeconomics and Development) bei der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) fungiert.

Die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik hat Heiner Flassbeck im März 2005 zum Honorar-Professor ernannt.

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