Montag, 2. Februar 2009

Die Angst der Regierung vor der Konjunkturpolitik

Nicht um die Angst des Tormanns vorm Elfmeter handelt es sich hier, sondern eher um die Angst des Torjägers vorm Elfmeterschießen. Wobei im Falle der deutschen Bundesregierung hinzukommt, dass sie selber Jahre lang so gesprochen hat, als ob es Elfmeterschießen nie mehr geben werde, dass es auch niemals funktionieren kann. Völlig undenkbar, mit dem Ball auch noch ins Netz zu treffen! Wer die Situation so sieht (d.h. 1. das Problem in seiner Existenz leugnet, und 2. die Lösungsmöglichkeiten nicht sehen will), kann kaum mit Herz und Verstand das zu lösende Problem angehen.

Das alte Lied demnach: Der Fisch fängt vom Kopfe zu stinken an. Nicht "Rigiditäten des Arbeitsmarktes", sondern die lobbyistisch verhärtete Sturheit und Ideologiebesessenheit staatlicher Wirtschaftspolitik sind die entscheidenden Schwachstellen, die Europas Zurückbleiben verursachen.

In einer empirischen Studie, die jährliche Daten von 17 OECD-Staaten benutzt, zeigten Aghion and Marinescu (2006), dass eine pro-zyklische Haushaltspolitik dem Wirtschaftswachstum wirklich schadet. Diese Beeinträchtigung tritt in Staaten vermindert zutage, deren Finanzsystem höher entwickelt ist.

Philippe Aghion, and Iona Marinescu (2006), “Cyclical Budgetary policy and Economic Growth: What Do We Learn from OECD Panel Data? ”.


Wenn die Zunahme der Staatsverschuldung in der EU ähnlich anti-zyklisch wie in den USA wäre, würde das langfristige Wachstum in Europa um 0,5% zunehmen.

Darüberhinaus ist festzustellen, dass es der Anteil an Investitionen am Staatshaushalt ist, der die positiven anti-zyklischen Effekte bewirkt. In der EU sind die Haushaltspolitiken weniger anti-zyklisch als in den USA, obgleich die USA noch dazu über ein höher entwickeltes Finanzsystem besitzen, das die negativen Effekte pro-zyklischer Budegetpolitik auszugleichen vermag.

In der Eurozone variieren das strukturelle Haushaltsdefizit sowie die realen Zinssätze viel weniger als in den Vereinigten Staaten. Man muss davon ausgehen, dass das Fehlen einer anti-zyklischen Haushaltspolitik eine mögliche Ursache für die Wachstumsschwäche der europäischen Wirtschaft darstellt.


In a recent empirical study using annual data from 17 OECD countries, Aghion and Marinescu (2006) show that the pro-cyclicality of fiscal policy is actually detrimental to growth; but they also show that the same degree of pro-cyclicality is less detrimental to growth in countries with a higher degree of financial development. (9)

One can also show that if public debt growth in the EMU zone were to become as countercyclical as in the US, long-term growth in the euro zone could increase significantly, possibly by the order of magnitude of half a percentage point.

Moreover, it is the investment part of government spending that appears to drive this positive effect of budget counter-cyclicality. Budgetary policies are currently far less countercyclical in the EU than in the US even though the US is more financially developed than the EU. As shown in Figure 4 below, both the structural deficit and the real interest rates vary much less over time in the euro area than in the US. Our discussion suggests that the absence of an active (or reactive) macroeconomic policy in the euro area is, therefore, a potential source of the growth deficit in the region.


A Primer on Innovation and Growth
Philippe Aghion (Harvard University and Bruegel)
October 2006

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