Donnerstag, 7. Januar 2010

Klassische Nationalökonomie

Die klassische Nationalökonomie (auch ''Klassik'', ''klassische Ökonomie'' oder ''politische Ökonomie'') bezeichnet in der Geschichte der Volkswirtschaftslehre die Theorien und die Epoche der Begründer der Ökonomie als einer eigenständigen Wissenschaftsdisziplin. Karl Marx hat den Begriff "Klassische Nationalökonomie" geprägt.

Paradigmatische Geltung für die Klassische Nationalökonomie wird dem Werk ''Der Wohlstand der Nationen'' von Adam Smith aus dem Jahre 1776 zugesprochen. Um 1870 herum wird durch die marginalistische Revolution als vorherrschende Lehre die klassische Ökonomie von der Neoklassik abgelöst.

== Merkantilismus - Physiokraten - Klassik ==

Das ökonomische Denken des Merkantilismus analysiert ökonomische Vorgänge unter dem Gesichtspunkt, wie der Reichtum des Fürsten bzw. der von ihm kontrollierten Staatskasse gefördert werden kann. Physiokraten gehen sodann dazu über, ökonomische Prozesse unter dem Gesichtspunkt der Förderung des Wohlstands eines gesamten Volkes zu betrachten.


Klassische Ökonomen wie Jean-Baptiste Say, David Ricardo, Thomas Malthus und John Stuart Mill gingen in Fortentwicklung des System- und Kreislaufgedankens von Quesnay daran, die Marktwirtschaft als ein sich selbst regulierendes System zu analysieren, das vom Eigennutz des Individuums angetrieben zum Wohle aller wirkt.



== Ökonomische Analyse vs. Wirtschaftsliberalismus ==

Die kausale Analyse der ökonomischen Beziehungen ging oft unmerklich Hand in Hand mit der Propagierung normativer Vorstellungen. Diese wirtschaftspolitischen Vorstellungen, die gemeinhin als "Wirtschaftsliberalismus" bezeichnet werden, entsprachen grundsätzlich den Interessen des aufkommenden Bürgertums im Zuge der Ablösung der feudalen Gesellschaftsstrukturen. Doch haben Klassiker wie Adam Smith auch nicht an Kritik gegenüber den Kapitalisten selbst gespart, wenn es etwa um Fragen der Preisabsprache oder der Bildung von Monopolen ging. Zudem wird neuerdings von Autoren wie etwa Thomas Sowell bestritten, dass klassische Ökonomen wie Adam Smith tatsächlich diese Apologeten des Kapitalismus gewesen seien, wie sie im gängigen Klischeebild, etwa der "unsichtbaren Hand", heutzutage oft vorgestellt werden.

In methodologischer Hinsicht hat Joseph A. Schumpeter in Übereinstimmung mit Max Webers Postulat der Wertfreiheit entschieden darauf bestanden, dass es in der Geschichte der ökonomischen Analyse nicht nur stets möglich, sondern auch unerlässlich sei, von der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Auffassung eines Ökonomen dessen theoretische und empirisch-wissenschaftliche Analyse im eigentlichen Sinne logisch scharf zu trennen. Schumpeter vermerkte die Verquickung der im Grunde wertneutralen ökonomischen Analyse mit den ideologischen Präokkupationen von Autoren insbesondere im Falle der Arbeitswerttheorie als auffällig, sah aber auch auf der Gegenseite die Vertreter der Grenznutzentheorie gegen derartige ideologische Aufladung an sich wertneutraler Begrifflichkeiten als keineswegs gefeit an.

== Erkenntnisprogramm ==
 
Das Erkenntnisprogramm der klassischen Ökonomie charakterisiert Hans Albert wie folgt:


#Durch die Annahme sozialer Gesetzmäßigkeiten.


#Soziale Tatsachen können durch das Zusammenwirken von individuellen Handlungen und deren Situationsbedingungen erklärt werden.


#Wesentliche Handlungsbedingung ist die Knappheit der Mittel zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse.


#Das Selbstinteresse ist wichtige Orientierungsbasis für rationales Handeln.


#Das Handeln wird mitbestimmt durch das institutionelle Umfeld.

== Wachstum und Verteilung ==

Für die klassischen Ökonomen stand das langfristige Wachstum einer Volkswirtschaft im Mittelpunkt des theoretischen Interesses.

Hingegen geht es der Neoklassik um die Allokation von Ressourcen in einer jeweils gegebenen Situation.  Dieses Problem des optimalen Mitteleinsatzes wird vorwiegend auf der mikroökonomischen Ebene betrachtet, wobei eine Substitution der Produktionsfaktoren als möglich angesehen wird. Die Erkenntnisse der neoklassischen Theorie wurden zum ersten Mal von Alfred Marshall zusammengefasst.

Der Unterschied zwischen der Klassischen Nationalökonomie und der Neoklassik ist besonders groß bei der theoretischen Behandlung der Preise. Der Ökonomiehistoriker Bertram Schefold sagt hierzu:

"An der Denkweise der klassischen Theoretiker ist wichtig, daß für die Preisbestimmung in der langen Periode die Produktionsmengen grundsätzlich als gegeben gedacht sind: Dem Preissystem kommt unter anderem die Funktion zu, Austauschverhältnisse zu bestimmen, die technisch und gesellschaftlich die Reproduktion ermöglichen. Die grundlegende Fragestellung war nicht, ein Marktgleichgewicht von Angebot und Nachfrage für einen gegebenen Zeitabschnitt zu finden, sondern Bedingungen für die Akkumulation des Kapitals und der Profitmaximierung ohne gegebenes Ende des zeitlichen Horizonts zu ermitteln. Die Untersuchung der Marktpreise der kurzen Periode betraf demgemäß die zufälligen Störungen der Reproduktion durch natürlich oder historisch verursachte Einzelereignisse, wie sie die Entsprechung von Nachfrage und Zufuhr unaufhörlich aufheben und dadurch Gegenkräfte einer Wiederannäherung auslösen. Für den Marktpreis gab es, dem Wesen des Zufälligen entsprechend, kein allgemeines Gesetz."

Von der Physiokratie unterscheidet die klassische Schule vor allem die Antwort auf die Frage nach der Quelle des Wohlstandes. Während die Physiokraten die Landwirtschaft als einzige Quelle des Wohlstandes ansehen, stellt Smith an deren Stelle die Arbeitskraft als solche – unabhängig vom Sektor. Wie schon Quesnay in seinem Tableau économique, so hat Adam Smith und daran anschließend David Ricardo mit rücksichtsloser Deutlichkeit die Aufteilung der Gesellschaft in unterschiedliche ökonomisch definierte Klassen zum Ausgangspunkt ihrer Entwicklungstheorie und Verteilungstheorie genommen.
 
== Kontroverse theoriegeschichtliche Einordnung ==

Eine besondere Stellung zur Klassischen Nationalökonomie nimmt Karl Marx und die auf ihn bauende Marxistische Wirtschaftstheorie ein. Einerseits schließt Marx an Adam Smith und Ricardo zum Teil direkt an und stellt diese ausdrücklich als "Klassische Nationalökonomen" den "Vulgärökonomen" gegenüber. Andererseits kritisiert er selbst an ihnen oberflächliche Sichtweisen und Inkonsequenzen, die einer Vulgärökonomie im Sinne von Say und Malthus den Weg frei machen. Marx setzte den Beginn dieser Tradition mit William Petty an. Er grenzte "klassische politische Ökonomie" ab zur "Vulgärökonomie", womit er die Periode nach Ricardo und Jean-Charles-Léonard Simonde de Sismondi meinte.

Michio Morishima kommt indes zu einer neuen, differenzierteren Ansicht von den theoretischen Differenzen zwischen Klassik, Marx und der Neoklassik.

Die Neoricardianer bemerken ebenfalls wie Marx eine Diskontinuität zwischen Klassischer Nationalökonomie und den darauffolgenden Ökonomen.

In Gegensatz dazu stellt  Samuel Hollander die Kontinuität zwischen klassischer und der neoklassischen Nationalökonomie heraus. Dieser theoriegeschichtlichen Perspektive wird vorgeworfen, den Standpunkt der derzeit vorherrschenden Neoklassik zum Ausgangspunkt zu wählen und so die seinerzeitig geschichtlich vorherrschenden Problemstellungen aus dem Blick  zu verlieren.

Umstritten hierbei ist nach wie vor insbesondere die theoriegeschichtliche Relevanz und Einordnung der Arbeitswerttheorie. Während man bei Smith Erklärungsansätze in voneinander verschiedene Richtungen, darunter auch der Marxschen, angedeutet sehen kann, wird in Ricardo häufig ein Vertreter der "Produktionskostentheorie des Wertes" erblickt.

== Weblinks ==

* The History of Economic Thought Website. The New School of Social Research. 6. Februar 2006.
* Gonçalo L. Fonseca: History of Economic Thought.
* European Society for the History of Economic Thought.



"Wie Sch. darlegt, hat der Begriff 'klassisch' in dieser Arbeit drei Bedeutungen, die auseinanderzuhalten sind. Ursprünglich bezog er sich auf die ökonomische Literatur der Epoche von Adam Smith bis J. S. Mill. "In dieser Bedeutung wurde er gebraucht bis zu einem Zeitpunkt, als das Wort klassisch seinen eulogistischen Gehalt verlor und den Beigeschmack von veraltet annahm; damals war es Lord Keynes, er das Wort verwandte, um die Lehre von A. Marshal und seiner unmittelbaren Nachfolger (kurz gesagt, die vor-Keynesianische Wirtschaftswissenschaft) zu charakterisieren." Sch. selbst verwendet den Ausdruck Klassische Situation, um eine Situation zu kennzeichnen, in der nach einer langen Periode von Kampf und Kontroverse eine grundsätzliche Übereinstimmung erzielt wird: die Konsolidierung der neuartigen, schöpferischen Arbeit, die ihr vorausging." (Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): ''Geschichte der ökonomischen Analyse.'' Erster Teilband. Vandenhoeck Ruprecht Göttingen 1965. S. 89, Anm. 1 (der Herausgeberin))

Karl Marx: ''Das Kapital.'' MEW 23:95, Anm. 32. / Thomas Sowell: ''On classical economics.'' Yale University Press, 2006. ISBN 0300113161, 9780300113167. S. 2. [google Books]
Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): ''Geschichte der ökonomischen Analyse.'' Erster Teilband. Vandenhoeck Ruprecht Göttingen 1965.
"Der Unterschied zwischen älterer Wert- und neuerer Preislehre ist so groß, daß sich nicht einmal ein gemeinsamer übergreifender Obertitel für beide findet. Die ältere Theorie fragt nach den allgemeinen Ordnungsgesetzen der Märkte; und diese Frage steht in mannigfachem Zusammenhang mit anderen Seiten des Wirtschaftsprozesses: Die vorklassische, merkantilistische Lehre (und noch die der Frühklassik, unter Einschluß von Smith) kreist um die große Frage nach den Quellen jenes "Reichtums der Nationen", worin sich zugleich die Bedingungen der Akkumulation des geschichtlich sich entfaltenden Privatkapitals zusammenfassen. Als die letzte Quelle des "Volkswohlstandes" aber erscheint die produktive menschliche Arbeit. Und die so sich ausbildende Arbeitswerttheorie ist ihrem Wesen nach nicht Lehre von der Einzelpreisbildung, sondern vielmehr Lehre von der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. In der Hochklassik wird diese Wertschöpfung - so unklar und mangelhaft die Vorstellung von ihr zunächst noch ist - zum Ausgangspunkt auch der Verteilungslehre. Bei Marx schließlich spinnt sich aus der Lehre von der wertbildenden Kraft der Arbeit die gesamte Theorie des volkswirtschaftlichen Verteilungs- und Reproduktionsprozessses heraus." (Werner Hofmann: ''Wert- und Preislehre.'' Duncker & Humblot Berlin 1964. S. 17.)
Niklas Luhmann: ''Die Wirtschaft der Gesellschaft.'' Suhrkamp . Frankfurt am Main 1. Aufl. 1988. ISBN 3-518-57883-9. S. 78 ff. / „Zu den unvergänglichen Verdiensten Marxens um die theoretische Nationalökonomie gehört seine Stellung des Problems der Reproduktion des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Bezeichnenderweise begegnen wir in der Geschichte der Nationalökonomie nur zwei Versuchen einer exakten Darstellung des Problems: an ihrer Schwelle, bei dem Vater der Physiokratenschule, Quesnay, und an ihrem Ausgang, bei Karl Marx. In der Zwischenzeit hört das Problem nicht auf, die bürgerliche Nationalökonomie zu quälen, doch hat sie es nie bewußt und nie in seiner reinen Form, losgelöst von verwandten und durchkreuzenden Nebenproblemen, auch nur zu stellen, geschweige denn zu lösen gewußt. Bei der fundamentalen Bedeutung dieses Problems jedoch kann man bis zu einem gewissen Grad an der Hand dieser Versuche die Schicksale der wissenschaftlichen Ökonomie überhaupt verfolgen.“ (Rosa Luxemburg: ''Die Akkumulation des Kapitals.'' In: ''Die Freiheit ist immer nur Freiheit des Andersdenkenden.'' Voltmedia Paderborn. ISBN 3-938478-73-X S. 104).

Jochen Nielen: ''Das Leitbild des Laisser-faire in der Politischen Ökonomie von Smith bis Keynes, dargestellt anhand der Hauptwerke von Smith, Malthus, Ricardo, Mill, Marshall und Keynes.'' Diss. Bonn 2000. S. 163.


„(1) Zu allen Zeiten, auch in der Gegenwart, ist die Leistung der Wirtschaftstheorie, gemessen an den Anforderungen der jeweiligen Zeit (wobei wir den Stand der Theorie zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht mit dem Maßstab späterer Zeiten messen dürfen), hinter den begründeten Erwartungen zurückgeblieben und hat sie zu stichhaltiger Kritik Anlaß gegeben.

(2) Unzureichende Leistung ging und geht immer Hand in Hand mit übersteigerten Ansprüchen, besonders aber mit verantwortungsloser Anwendung auf Probleme, die die Leistungsfähigkeit des analytischen Apparates ihrer Zeit überstiegen und noch übersteigen.

(3) Während nun die Wirtschaftstheorie niemals den an sie gestellten Anforderungen genügte, d. h. niemals das leistete, was sie hätte leisten können, überstieg sie doch zugleich die Auffassungsgabe der meisten daran interessierten Personen, denen es an Verständnis dafür fehlte und die sich jedem Versuch einer analytischen Verfeinerung widersetzten. (...)

(4) Die Feindseligkeit, die aus diesen Quellen herrührte, wurde häufig noch durch die Feindseligkeit gegen die politischen Bündnisse verstärkt, die einzugehen die Mehrzahl der Theoretiker hartnäckig fortfuhr."
(Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): ''Geschichte der ökonomischen Analyse.'' Erster Teilband. Vandenhoeck Ruprecht Göttingen 1965. S. 50.)

"Adam Smith who stood out as the great pioneering advocate of competitive capitalism, free trade, and the price mechanism, and whose Wealth of Nations was destined to become the Bible of the liberal bourgeosie. Smith's great message of good cheer - that competitive capitalism is, of not the best of all economic systems, at any rate the best of all possible systems - is echoed, with a greater or lesser degree of academic qualification, in almost every chapter of the ''Wealth of Nations''. Do away with most, if not all, monopolies and restrictions on internal and external trade; allow each man to do as he wants to with his own (and in particular with his own capital), give 'the obvious and simple system of natural liberty' its head, and the famous invisible hand will automatically maximize the rate of growth of the national product and promote the diffusion of the increasing opulence among the populace. No fears here, apparently, that free competition might sooner or later breed a new type of monopoly; not much fear that the process of development might eventually come to an end; no worries that a more or less unfettered capitalism might generate chronic unemployment, or severe inflation, or gross disparities in income, or war; and no hint at all, of course, that capitalism might at some time or other be replaced by a different type of economic system."(Ronald L. Meek: ''Smith, Marx & after. Ten Essays in the Development of Economic Thought.'' Chapman & Hall : London 1977. ISBN 0-412-14360-7. S. 3f.

Stefan Hopp: Die unsichtbare Hand – und vier Versuche, sie sichtbar zu machen. Eine kritische Analyse der allgemeinen Gleichgewichtstheorie und ausgewählter ideengeschichtlicher Vorläufer. Diss. Bamberg 2004.
"Rather than asserting the benefits of laissez-faire based on the existence of a "natural harmony of interests" the classical economist are portrayed as seeking to dismantle a politicized disharmony of interests that greatly favored wealth and power. These themes have found considerable favor since the 1970's as a long list of scholars have sought to undermine the conservative outer works hastily erected around Smith's work during the 1790's. Indeed it would be very interesting to have Sowell's reaction to the works of, say, Donald Winch, Emma Rothschild or Richard Teichgraeber, whose attempts to disassociate Smith from conservatism post date Smith's Reagan-era embrace." (John Berdell: Review of Thomas Sowell, On Classical Economics. EH.Net Economic History Services, 2. Februar 2007.

"Meines Erachtens läßt sich das philosophische Gewand auch immer von der Wirtschaftswissenschaft abstreifen; die Wirtschaftsanalyse ist zu keiner Zeit von den philosophischen Anschauungen der Wirtschaftswissenschaftler geprägt worden, obgleich sie häufig genug durch deren politische Einstellung entstellt wurde. Der Beweis als solcher wird in den folgenden Teilen erbracht, in denen wir auch aufzeigen werden, daß sogar Wirtschaftswissenschaftler, die sehr stark ausgeprägte philosophische Anschauungen vertraten, wie Locke, Hume, Quesnay und vor allem Marx, sich tatsächlich in ihrer analytischen Arbeit nicht von ihnen beeinflussen ließen. Der Grund, warum ich die These mit so viel Nachdruck vertrete, daß die Philosophie im technischen Sinne des Wortes schon ihrer Beschaffenheit nach die Wirtschaftsanalyse gar nicht beeinflussen kann und praktisch auch nicht beeinflußt hat, liegt darin, daß die Gegenthese zu einer der Hauptquellen von Scheinerklärungen über die Entwicklungsgeschichte der Wirtschaftsanalyse geworden ist. Diese Scheinerklärungen sprechen besonders solche Historiker der Wirtschaftswissenschaft an, die sich in erster Linie für philosophische Gesichtspunkte interessieren und daher übermäßigen Wert auf Hinweise auf solche Zusammenhänge legen, von denen es ja in der Fachliteratur mehr als genug gibt, und die oft nicht als das erkannt werden, was sie sind - nämlich Verbrämungen, die trotz ihrer Fadenscheinigkeit die Filiation wissenschaftlicher Ideen verschleiern." (Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): ''Geschichte der ökonomischen Analyse.'' Erster Teilband. Vandenhoeck & Ruprecht : Göttingen 1965. S. 64f.)

"Es gibt zwar Instrumente oder Theorien, deren ideologische Neutralität erwiesen ist, die aber dennoch eine vermeintliche ideologische Bedeutung gewinnen können, und zwar dadurch, daß irrtümlicherweise von jemandem angenommen wird, daß sie für seine eigene Ideologie relevant seien. Wir haben soeben die unbestrittene Tatsache festgestellt, daß der Übergang von der Grenznutzentheorie zu einer Werttheorie, die sich auf den Begriff der Grenzrate der Substitution stützt, insofern ideologisch neutral war, als beide Begriffe nachweislich mit jeder beliebigen Ideologie vereinbar sind. Dies war jedoch nicht der Fall bei der vorangegangenen Entwicklungsphase der Werttheorie. Unter den Gegnern der Grenznutzentheorie des Wertes befanden sich die marxistischen Vertreter einer Arbeitswerttheorie; sie - wie auch eine Reihe von Grenznutzentheoretikern - waren der Ansicht, daß die Wahl zwischen Arbeits- und Grenznutzen-'Erklärungen' für den ökonomischen Wert von unserer Vision des Wirtschaftsablaufs abhinge und daß diese Wahl ideologisch relevant sei. Besonders die marxistische Vorstellung vom Wert als geronnener Arbeit stellt das erste Glied in der marxistischen Beweisführung für die Annahme dar, daß die Quelle aller Einkommen mit Ausnahme der Löhne die Ausbeutung ist." (Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): ''Geschichte der ökonomischen Analyse.'' Erster Teilband. Vandenhoeck & Ruprecht : Göttingen 1965. S. 81)

Hans Albert: Die Idee rationaler Praxis und die ökonomische Tradition.


Ernesto Screpanti, Stefano Zamagni: An Outline of the History of Economic Thought. Oxford 1993. S. 147.

Peter D. Groenewegen: A soaring eagle: Alfred Marshall, 1842-1924. Cheltenham Northampton 1995. S. 1.

Werner Hofmann: Wert- und Preislehre. Duncker & Humblot Berlin 1964. S. 17.

Bertram Schefold: ''Nachfrage und Zufuhr in der klassischen Ökonomie.'' S. 243 ff. In: Bertram Schefold, (Hg.): Ökonomische Klassik im Umbruch. Theoretische Aufsätze von David Ricardo, Alfred Marshall, Vladimir K. Dmitriev und Piero Sraffa. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 627. Frankfurt/Main 1986. ISBN 3-518-28227-1. S. 196.


Karl Marx: ''Das Kapital.'' MEW 23:95, Anm. 32.

Ronald L. Meek: ''Smith, Marx & after. Ten Essays in the Development of Economic Thought.'' Chapman & Hall : London 1977. ISBN 0-412-14360-7. S. 4f.

"There is a popular and conventional view that marginalism emerged in opposition to classical economics. This view, however, is entirely wrong because Ricardian economics, in which the classical school is considered to have culminated, is indeed an economics based on marginalism. (...) Of course it is true that, with no idea of marginal utilities, both Ricardo and Marx used the labour theory of value. It is also true that analysis was mainly made, in their economics, in terms of prices, wages and profits, rather than labour values. They both believed that prices are not equal (or proportional) to values, unless a stringent condition - that the composition of capital, that is the ratio of the capital to support labour to the capital invested in tools, machinery and the buildings, is the same throughout all processes of production - is fulfilled.

"Wie kann Kapital entstehn bei der Regelung der Preise durch den Durchschnittspreis, d.h. in letzter Instanz durch den Wert der Ware? Ich sage "in letzter Instanz", weil die Durchschnittspreise nicht direkt mit den Wertgrößen zusammenfallen, wie A. Smith, Ricardo usw. glauben." (Marx, ''Kapital'', I, S. 180f, Anm. 37)

It is interesting to notice in this quotation that even Marx was affected by the popular view and considered that Ricardo accepted the proposition of proportionality between prices and values; it will be seen later that Chapter 1 of Ricardo's Principles gives clear evidence that he believed the opposite, that is, that there was a disproportionality.

Still, it is true that the two economists analysed the economy in terms of value too. Their economics makes dual-standard valuation in terms of values and prices, respectively, while Walras who totally rejected the labour value theory, adopted an approach of mono-standard valuation (in terms of prices, of course)." (Michio Morishima: ''Ricardo's Economics. A general equilibrium theory of distribution and growth.'' Cambridge University Press 1989. ISBN 0-521-36630-5. S. 8f'.)

Samuel Hollander (2000), Sraffa and the Interpretation of Ricardo: The Marxian Dimension, History of Political Economy, V. 32, N. 2: 187-232 (2000).

Einer retrograden Art der Geschichtsschreibung, deren Erfindung Theodor Geiger Goethe zugeschrieben hat: „Geschichts-"Wissenschaft" soll die Betrachtung des Jetzt im Spiegel der Vergangenheit sein, oder die Interpretation der Vergangenheit in der Perspektive des Jetzt. Daraus folgt dann, daß die Geschichte vergangener Epochen immer aufs neue wiedergeschrieben werden muß - ein wahrscheinlich von Goethe zum ersten Male ausgesprochener Gedanke.“ (Theodor Geiger: ''Ideologie und Wahrheit. Eine soziologische Kritik des Denkens.'' Luchterhand : Neuwied und Berlin 2. Aufl. 1968. S. 33.)

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