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Freitag, 22. April 2011
Freitag, 13. August 2010
5.) Nach welcher Methode soll verglichen werden?
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Nachdem wir bei der Beantwortung der Frage (3) bezüglich der Kriterien der Theorienbewertung für je nach gewähltem metatheoretischen Paradigma unterschiedliche Bewertungskriterien ausgewählt haben, werden wir demzufolge entsprechend der gewählten Metatheorie eine eigentümliche Methode anwenden, wie wir den Theorienvergleich effektiv organisieren und durchführen
Genauso wie es nichtsdestoweniger legitim ist, Paradigma übergreifende Bewertungskriterien zu entwerfen, so kann man den Versuch wagen, eine möglichst universelle Methode zu entwickeln.
Hierzu sollen nachfolgend ein paar Anhaltspunkte genannt werden:
1.) Die multiparadigmatische Struktur der Metatheorien und der Theorien innerhalb der Sozialwissenschaften in unserer zeit sollte herausgearbeitet werden als eine entsprechend große Vielfalt metatheoretisch und theoretisch verfügbarer Optionen, die sich als Bezugspunkte der Selbstvergewisserung und wechselseitiger Kritik anbieten.
2.) Damit verbunden ist die Auswahl, Identifizierung und Ausarbeitung einer bestimmten Metatheorie und zweier bestimmter Theorien bzw. theoretischer Ansätze auf der Grundlage derselben.
3.) Die Ausarbeitung der gewählten Metatheorie muss auch die Explikation der Kriterien der Theorienbewertung sowie
4.) des Verfahrens beinhalten, in welchem über die Akzeptierung einer Theorie entschieden werden soll.
5.) T und T' müssen so rekonstruiert werden, dass den Theorienelementen gemäß dem Linderberg/Wippler-Modell mit ihren unterschiedlichen logischen Funktionen Rechnung getragen wird.
6.) Es müssen Übersetzungsregeln für T' nach T und umgekehrt entwickelt werden. In eine angeblich "ansatzunabhängige" Sprache zu übersetzen, wie Matthes (1978, S. 15) vorgeschlagen hat, erscheint jedoch aussichtslos. Denn ein solches Medium existiert nicht. Die "asymmetrische" Übersetzbarkeit ist der einzige offene Weg, der weiterführt.
7.) Nach Herstellung der "Kommensurabilität" zwischen T und T' gemäß der gelieferten Übersetzung können auf beide gleichermaßen die Kriterien gemäß (3) und
8.) das Entscheidungsverfahren gemäß (4) angewandt werden.
9.) Schließlich sind heuristische Verfahren einsetzbar, wie die Abwandlung der unabhängigen und der abhängigen Variablen von T und T' (vgl. Opp 1978, S. 216 ff.), um als Quintessenz von Schritt (7) und (8) T progressiv umzuformen.
Matthes (1978, S. 16) kritisiert sicherlich zurecht, dass häufig Hypothesen und Konzepte, welche sich nicht von T' in T übersetzen und assimilieren ließen, leichtfertig als unbrauchbar verworfen werden.
Eine progressive Strategie würde beinhalten, T insoweit abzuändern, dass eine Übersetzung möglichst aller Elemente von T' statthaben kann.
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Literatur
Giesen/Schmid 1978: Bernard Giesen, Michael Schmid, Methodologische Modelle und soziologische Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 232-254.
Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Lindenberg/Wippler 1978: Siegwart Lindenberg, Reinhard Wippler, Theorienvergleich: Elemente der Rekonstruktion, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 219-231.
Matthes 1978: Joachim Matthes, Die Diskussion um den Theorienvergleich seit dem Kasseler Soziologentag 1974, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 7-20.
Opp 1978: Karl-Dieter Opp, Probleme und Strategien des Theorienvergleichs, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 213-218.
Spinner 1972: Helmut F. Spinner, Pluralismus als Erkenntnismodell, Frankfurt/M. 1974.
Wippler 1978: Reinhard Wippler, Die Ausarbeitung theoretischer Ansätze zu erklärungskräftigen Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 196-212.
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Nachdem wir bei der Beantwortung der Frage (3) bezüglich der Kriterien der Theorienbewertung für je nach gewähltem metatheoretischen Paradigma unterschiedliche Bewertungskriterien ausgewählt haben, werden wir demzufolge entsprechend der gewählten Metatheorie eine eigentümliche Methode anwenden, wie wir den Theorienvergleich effektiv organisieren und durchführen
Genauso wie es nichtsdestoweniger legitim ist, Paradigma übergreifende Bewertungskriterien zu entwerfen, so kann man den Versuch wagen, eine möglichst universelle Methode zu entwickeln.
Hierzu sollen nachfolgend ein paar Anhaltspunkte genannt werden:
1.) Die multiparadigmatische Struktur der Metatheorien und der Theorien innerhalb der Sozialwissenschaften in unserer zeit sollte herausgearbeitet werden als eine entsprechend große Vielfalt metatheoretisch und theoretisch verfügbarer Optionen, die sich als Bezugspunkte der Selbstvergewisserung und wechselseitiger Kritik anbieten.
2.) Damit verbunden ist die Auswahl, Identifizierung und Ausarbeitung einer bestimmten Metatheorie und zweier bestimmter Theorien bzw. theoretischer Ansätze auf der Grundlage derselben.
3.) Die Ausarbeitung der gewählten Metatheorie muss auch die Explikation der Kriterien der Theorienbewertung sowie
4.) des Verfahrens beinhalten, in welchem über die Akzeptierung einer Theorie entschieden werden soll.
5.) T und T' müssen so rekonstruiert werden, dass den Theorienelementen gemäß dem Linderberg/Wippler-Modell mit ihren unterschiedlichen logischen Funktionen Rechnung getragen wird.
6.) Es müssen Übersetzungsregeln für T' nach T und umgekehrt entwickelt werden. In eine angeblich "ansatzunabhängige" Sprache zu übersetzen, wie Matthes (1978, S. 15) vorgeschlagen hat, erscheint jedoch aussichtslos. Denn ein solches Medium existiert nicht. Die "asymmetrische" Übersetzbarkeit ist der einzige offene Weg, der weiterführt.
7.) Nach Herstellung der "Kommensurabilität" zwischen T und T' gemäß der gelieferten Übersetzung können auf beide gleichermaßen die Kriterien gemäß (3) und
8.) das Entscheidungsverfahren gemäß (4) angewandt werden.
9.) Schließlich sind heuristische Verfahren einsetzbar, wie die Abwandlung der unabhängigen und der abhängigen Variablen von T und T' (vgl. Opp 1978, S. 216 ff.), um als Quintessenz von Schritt (7) und (8) T progressiv umzuformen.
Matthes (1978, S. 16) kritisiert sicherlich zurecht, dass häufig Hypothesen und Konzepte, welche sich nicht von T' in T übersetzen und assimilieren ließen, leichtfertig als unbrauchbar verworfen werden.
Eine progressive Strategie würde beinhalten, T insoweit abzuändern, dass eine Übersetzung möglichst aller Elemente von T' statthaben kann.
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Literatur
Giesen/Schmid 1978: Bernard Giesen, Michael Schmid, Methodologische Modelle und soziologische Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 232-254.
Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Lindenberg/Wippler 1978: Siegwart Lindenberg, Reinhard Wippler, Theorienvergleich: Elemente der Rekonstruktion, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 219-231.
Matthes 1978: Joachim Matthes, Die Diskussion um den Theorienvergleich seit dem Kasseler Soziologentag 1974, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 7-20.
Opp 1978: Karl-Dieter Opp, Probleme und Strategien des Theorienvergleichs, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 213-218.
Spinner 1972: Helmut F. Spinner, Pluralismus als Erkenntnismodell, Frankfurt/M. 1974.
Wippler 1978: Reinhard Wippler, Die Ausarbeitung theoretischer Ansätze zu erklärungskräftigen Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 196-212.
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4. Was soll verglichen werden?
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Wir kommen damit zu zwei völlig unterschiedlichen Fragen:
4.1 Welche Theorien bzw. theoretischen Ansätze sollen in den Kreis der Betrachtung gerückt werden?
4.2 Welche Bestandteile von Theorien bzw. eines theoretischen Ansatzes sollen miteinander verglichen werden?
4.1 Welche Theorien bzw. theoretischen Ansätze sollen in den Kreis der Betrachtung gerückt werden?
Es geht also um die Frage, wie sich eine Theorie dazu qualifiziert, von uns Ernst genommen zu werden, d.h. dass ihr die Gnade widerfährt, innerhalb unserer Debatte beachtet und zumindest vorerst einmal als möglicherweise seriöse Argumentation akzeptiert zu werden.
Opp (1978, S. 215) schlägt als methodologische Maxime vor, diejenigen Theorieansätze für einen Vergleich auszuwählen, die für die Lösung eines bestimmten Erkenntnisproblems als am fruchtbarsten beurteilt werden. Dies setzt allerdings schon die Auswahl einer bestimmten Problemstellung als vorrangig relevant voraus.
Problemstellungen ihrerseits sind allerdings schon in theoretischen Begriffen abgefasst, also dass die Relevanz von Theorien durch die Auswahl einer bestimmten Problemformulierung mehr oder minder schon präjudiziert sein wird.
Man muss hier klar sehen, dass es letzten Endes um die politische Frage der Festsetzung von Forschungsprioritäten geht. Dabei können sowohl wissenschaftsinterne wie wissenschaftsexterne Ziele und Erwägungen eine Rolle spielen.
In diesem Sinne "intern" sind Prioritätsentscheidungen, die auf Basis der Zielsetzung von Wahrheitsfindung getroffen werden. Es wird gewählt nach dem Kriterium, welche Probleme im Hinblick auf die Wahrheits- bzw. Informationsgewinnung strategisch von besonderer Bedeutung sind und daher vordringlich zu lösen sind. Gewisse Fragen sind wichtiger als andere zu beantworten, weil ihre Beantwortung den Zugang zu einer noch größeren Menge an Erkenntnissen eröffnet als vergleichsweise andere. Dieses Argument ist weit verbreitet, wenn es etwa um die Förderung von Grundlagenforschung geht.
Externe Prioritäten für Problemstellungen werden in die Wissenschaft eingeführt, wenn Wissenschaft nicht um ihrer selbst willen betrieben wird. Hier gilt es dann erst einmal die vorgeordnete Frage zu klären:
Wer verfügt über die Arbeitskraft des Forschers?
Er selbst? Die Gesellschaft? Wer ist "die Gesellschaft" indes in dem jeweils vorliegenden konkreten Fall?
Gefordert ist hier im Grunde eine politische Theorie der Demokratie, welche Wertkriterien und Relevanzgesichtspunkte zu liefern vermag, um daran die augenblickliche Situation des gesellschaftlichen Subsystems Wissenschaft messen zu können. Eingeschlossen werden müsste eine Einschätzung der jeweils gegebenen sowie der gewünschten Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Welche Mitglieder der Gesellschaft und Vertreter welcher gesellschaftlichen Gruppen an den betreffenden Entscheidungsverfahren zu beteiligen wären, ist eine der zentralen Fragen, welche eine derartige politisch-normative Theorie beantworten müsste. Die Verwendung explizit formulierter Werturteile wäre in dieser forschungspolitischen Diskussion schlechterdings nicht zu umgehen und zur Verwirklichung von möglichst großer Transparenz auch sehr wichtig. Denn ein rationaler Umgang mit Werturteilen wird dadurch am ehesten angemessen ermöglicht, dass man ihren normativen Charakter durch explizite Formulierung unmissverständlich erkennbar macht und sogar herauskehrt – eine starke Medizin gegen jeglichen Ideologieverdacht! Eine Gesellschaft, die sich als eine Demokratie versteht, sollte die Diskussion über die Prioritäten der nationalen und internationalen Forschungspolitik in breitester Öffentlichkeit führen, was vor allem heißt: in den Massenmedien sowie in den intermediären Gruppen wie Parteien und Gewerkschaften). Dabei ist zuerst einmal von einer Informations- und Rechenschaftspflicht derjenigen auszugehen, welche die Entscheidungsvollmachten über die nationalen Forschungsressourcen inne haben. In dieser öffentlichen Diskussion wären dann die Relevanzkriterien der verantwortlichen Entscheider klar und deutlich zu benennen. In diesem Rahmen muss es des Weiteren auch dem einzelnen Wissenschaftler möglich sein, um dessen persönliche Arbeitskraft und Anspruch auf Selbstverwirklichung es ja schließlich ebenso geht, seine Interessen zu artikulieren und ein Recht auf Mitbestimmung an der Forschungspolitik seines Landes wahrzunehmen.
Diese hier vertretene Meinung ist nur eine unter vielerlei denkbaren politischen Positionen. Worauf es hier ankommt: Auch die Wissenschaftstheorie muss davon ausgehen, dass bei der Entscheidung über die Auswahl von Forschungsproblemen derartige Positionen unvermeidbar zum Tragen kommen werden. Man kann deswegen nicht umhin, Verfahren zu definieren, wie dies mit einem Höchstmaß an rationaler Argumentation vonstatten gehen kann. Die reale Möglichkeit einer solche Verfahrenslösung zu leugnen hieße die Augen zu verschließen vor der normativen Kraft des Faktischen, nämlich vor der real vorfindbaren Inanspruchnahme der Wissenschaft durch die Inhaber gesellschaftlicher Machtpositionen einerseits und der mindestens impliziten Inanspruchnahme politischer Werturteile durch nur vorgeblich unpolitische Nur-Wissenschaftler.
4.2 Welche Bestandteile einer Theorie bzw. theoretischen Ansatzes sollen miteinander verglichen werden?
Zuerst einmal soll der gemeinte Unterschied zwischen "Theorie" und "theoretischem Ansatz" verdeutlicht werden. "Theoretischer Ansatz" ist als eine Vorstufe der ausgearbeiteten und ausgebildeten Form einer Theorie zu verstehen.
"Als 'theoretische Ansätze' sollen die Perspektiven bezeichnet werden, von denen aus in der empirisch-theoretischen Soziologie gearbeitet wird; sie richten die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Klasse von Objekten und Merkmalen, die im Zuge der Theoriebildung als zu erklärende Probleme oder als erklärende Annahmen eingesetzt werden." (Wippler 1978, S. 197)
Einen Kernbestandteil solcher theoretischen Ansätze stellen die sog. Orientierungshypothesen dar.
Bei diesen wird eine universelle Komponente mit einer existentiellen Komponente verbunden (Watkinsche All-Some-Statements). Sie sind damit weder im strikten Sinne verifizierbar noch falsifizierbar, mithin also metaphysisch (S. 199 f). Sie sind dennoch realitätsbezogen, wobei sie die Forschung darauf orientieren, welche empirischen Objekte erklärungsbedürftig sind oder zum Ausgangspunkt von Erklärungen benutzt werden können.
Es ist umstritten, ob ihre heuristische Funktion auf das Anfangsstadium von Theoriebildung beschränkt bleiben muss. Oder ob sie in ihrer Konzept und Hypothesen generierenden Funktion den fundamentalen Hintergrund einer bestimmt gefassten Theorie abzugeben vermögen. Einem Hintergrund, zu dem, ihn auszuschöpfen, die theoretische Hypothesenbildung und –prüfung ständig zurückkehren muss.
Theorien wie theoretische Ansätze bilden ein erkenntnislogisches Ganzes, das aus vielfältigen mehr oder minder qualifizierten Teilerkenntnissen besteht, welche in den einzelnen Bestandteilen inkorporiert sind. Daher sollten alle zur Erklärung erhobener Tatbestände über soziales Handeln und Prozessdaten in sozialen Kollektiven benötigten Theoriebestandteile bei einem Theorienvergleich mitberücksichtigt werden (Lindenberg/Wippler 1979, S. 227).
Es wurde die Mannigfaltigkeit unterschiedlich möglicher Theorieteile an einem kombinierten Deduktionsmodell demonstriert. Dieses Schema ist nur als Grundmuster der Exposition der einzelnen Elemente einer Erklärung von individuellen und kollektiven Effekten sozialen Handelns aufzufassen. Es ist nicht als forschungsstrategische Direktive misszuverstehen, nur diese eine Erklärungsrichtung vom Individuellen zum Kollektiven zu gehen. Damit ist also keinesfalls ein Präjudiz für den psychologischen Reduktionalismus vorgegeben, auch wenn auf den ersten Blick dies leicht so aufgefasst werden könnte.
Aus dem Lindenberg/Wippler-Modell ergeben sich folgende Bestandteile von theoretischer Erklärung sozialer Prozesse:
a) Propositionen über Individuen;
b) Anfangsbedingungen;
c) Korrespondenzregeln;
d) idealtypische oder konkrete Beschreibungen sozialer Situationen;
e) Transformationsregeln;
f) Randbedingungen;
g) individuelle Effekte;
h) kollektive Tatbestände und Prozesse.
Zur genaueren Erläuterung:
Mittels Korrespondenzregeln werden Situationsbeschreibungen in die theoretische Sprache der Propositionen über Individuen übersetzt.
Transformationsregeln geben an, wie individuelle in kollektive Propositionen überführt werden können. Sie können partielle Definitionen darstellen ("partiell", weil das Definiendum nicht durchgängig durch das Definiens ersetzt werden kann), Implikationsaussagen oder mathematische Modelle (S. 222 ff.).
Auch sollte die Unterscheidung zwischen Anfangsbedingungen und Randbedingungen beachtet werden; Anfangsbedingungen sind in der Beobachtungssprache, Randbedingungen in der Theoriesprache formuliert; erstere üben ihre Funktion bei der Ableitung individueller, letztere bei der Ableitung kollektiver Effekte aus (S. 230).
Auf Grundlage dieses Modells lassen sich die spezifischen Defizite und Vorzüge der verschiedenen theoretischen Paradigmata identifizieren und näher beleuchten. Zudem ergeben sich aus ihm heraus heuristische Variationsmöglichkeiten, um im fruchtbaren Eklektizismus die positiven Elemente unterschiedlicher theoretischer Ansätze herauszuschälen und miteinander zu kombinieren.
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Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Opp 1978: Karl-Dieter Opp, Probleme und Strategien des Theorienvergleichs, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 213-218.
Wippler 1978: Reinhard Wippler, Die Ausarbeitung theoretischer Ansätze zu erklärungskräftigen Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 196-212.
Lindenberg/Wippler 1978: Siegwart Lindenberg, Reinhard Wippler, Theorienvergleich: Elemente der Rekonstruktion, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 219-231.
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Wir kommen damit zu zwei völlig unterschiedlichen Fragen:
4.1 Welche Theorien bzw. theoretischen Ansätze sollen in den Kreis der Betrachtung gerückt werden?
4.2 Welche Bestandteile von Theorien bzw. eines theoretischen Ansatzes sollen miteinander verglichen werden?
4.1 Welche Theorien bzw. theoretischen Ansätze sollen in den Kreis der Betrachtung gerückt werden?
Es geht also um die Frage, wie sich eine Theorie dazu qualifiziert, von uns Ernst genommen zu werden, d.h. dass ihr die Gnade widerfährt, innerhalb unserer Debatte beachtet und zumindest vorerst einmal als möglicherweise seriöse Argumentation akzeptiert zu werden.
Opp (1978, S. 215) schlägt als methodologische Maxime vor, diejenigen Theorieansätze für einen Vergleich auszuwählen, die für die Lösung eines bestimmten Erkenntnisproblems als am fruchtbarsten beurteilt werden. Dies setzt allerdings schon die Auswahl einer bestimmten Problemstellung als vorrangig relevant voraus.
Problemstellungen ihrerseits sind allerdings schon in theoretischen Begriffen abgefasst, also dass die Relevanz von Theorien durch die Auswahl einer bestimmten Problemformulierung mehr oder minder schon präjudiziert sein wird.
Man muss hier klar sehen, dass es letzten Endes um die politische Frage der Festsetzung von Forschungsprioritäten geht. Dabei können sowohl wissenschaftsinterne wie wissenschaftsexterne Ziele und Erwägungen eine Rolle spielen.
In diesem Sinne "intern" sind Prioritätsentscheidungen, die auf Basis der Zielsetzung von Wahrheitsfindung getroffen werden. Es wird gewählt nach dem Kriterium, welche Probleme im Hinblick auf die Wahrheits- bzw. Informationsgewinnung strategisch von besonderer Bedeutung sind und daher vordringlich zu lösen sind. Gewisse Fragen sind wichtiger als andere zu beantworten, weil ihre Beantwortung den Zugang zu einer noch größeren Menge an Erkenntnissen eröffnet als vergleichsweise andere. Dieses Argument ist weit verbreitet, wenn es etwa um die Förderung von Grundlagenforschung geht.
Externe Prioritäten für Problemstellungen werden in die Wissenschaft eingeführt, wenn Wissenschaft nicht um ihrer selbst willen betrieben wird. Hier gilt es dann erst einmal die vorgeordnete Frage zu klären:
Wer verfügt über die Arbeitskraft des Forschers?
Er selbst? Die Gesellschaft? Wer ist "die Gesellschaft" indes in dem jeweils vorliegenden konkreten Fall?
Gefordert ist hier im Grunde eine politische Theorie der Demokratie, welche Wertkriterien und Relevanzgesichtspunkte zu liefern vermag, um daran die augenblickliche Situation des gesellschaftlichen Subsystems Wissenschaft messen zu können. Eingeschlossen werden müsste eine Einschätzung der jeweils gegebenen sowie der gewünschten Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Welche Mitglieder der Gesellschaft und Vertreter welcher gesellschaftlichen Gruppen an den betreffenden Entscheidungsverfahren zu beteiligen wären, ist eine der zentralen Fragen, welche eine derartige politisch-normative Theorie beantworten müsste. Die Verwendung explizit formulierter Werturteile wäre in dieser forschungspolitischen Diskussion schlechterdings nicht zu umgehen und zur Verwirklichung von möglichst großer Transparenz auch sehr wichtig. Denn ein rationaler Umgang mit Werturteilen wird dadurch am ehesten angemessen ermöglicht, dass man ihren normativen Charakter durch explizite Formulierung unmissverständlich erkennbar macht und sogar herauskehrt – eine starke Medizin gegen jeglichen Ideologieverdacht! Eine Gesellschaft, die sich als eine Demokratie versteht, sollte die Diskussion über die Prioritäten der nationalen und internationalen Forschungspolitik in breitester Öffentlichkeit führen, was vor allem heißt: in den Massenmedien sowie in den intermediären Gruppen wie Parteien und Gewerkschaften). Dabei ist zuerst einmal von einer Informations- und Rechenschaftspflicht derjenigen auszugehen, welche die Entscheidungsvollmachten über die nationalen Forschungsressourcen inne haben. In dieser öffentlichen Diskussion wären dann die Relevanzkriterien der verantwortlichen Entscheider klar und deutlich zu benennen. In diesem Rahmen muss es des Weiteren auch dem einzelnen Wissenschaftler möglich sein, um dessen persönliche Arbeitskraft und Anspruch auf Selbstverwirklichung es ja schließlich ebenso geht, seine Interessen zu artikulieren und ein Recht auf Mitbestimmung an der Forschungspolitik seines Landes wahrzunehmen.
Diese hier vertretene Meinung ist nur eine unter vielerlei denkbaren politischen Positionen. Worauf es hier ankommt: Auch die Wissenschaftstheorie muss davon ausgehen, dass bei der Entscheidung über die Auswahl von Forschungsproblemen derartige Positionen unvermeidbar zum Tragen kommen werden. Man kann deswegen nicht umhin, Verfahren zu definieren, wie dies mit einem Höchstmaß an rationaler Argumentation vonstatten gehen kann. Die reale Möglichkeit einer solche Verfahrenslösung zu leugnen hieße die Augen zu verschließen vor der normativen Kraft des Faktischen, nämlich vor der real vorfindbaren Inanspruchnahme der Wissenschaft durch die Inhaber gesellschaftlicher Machtpositionen einerseits und der mindestens impliziten Inanspruchnahme politischer Werturteile durch nur vorgeblich unpolitische Nur-Wissenschaftler.
4.2 Welche Bestandteile einer Theorie bzw. theoretischen Ansatzes sollen miteinander verglichen werden?
Zuerst einmal soll der gemeinte Unterschied zwischen "Theorie" und "theoretischem Ansatz" verdeutlicht werden. "Theoretischer Ansatz" ist als eine Vorstufe der ausgearbeiteten und ausgebildeten Form einer Theorie zu verstehen.
"Als 'theoretische Ansätze' sollen die Perspektiven bezeichnet werden, von denen aus in der empirisch-theoretischen Soziologie gearbeitet wird; sie richten die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Klasse von Objekten und Merkmalen, die im Zuge der Theoriebildung als zu erklärende Probleme oder als erklärende Annahmen eingesetzt werden." (Wippler 1978, S. 197)
Einen Kernbestandteil solcher theoretischen Ansätze stellen die sog. Orientierungshypothesen dar.
Bei diesen wird eine universelle Komponente mit einer existentiellen Komponente verbunden (Watkinsche All-Some-Statements). Sie sind damit weder im strikten Sinne verifizierbar noch falsifizierbar, mithin also metaphysisch (S. 199 f). Sie sind dennoch realitätsbezogen, wobei sie die Forschung darauf orientieren, welche empirischen Objekte erklärungsbedürftig sind oder zum Ausgangspunkt von Erklärungen benutzt werden können.
Es ist umstritten, ob ihre heuristische Funktion auf das Anfangsstadium von Theoriebildung beschränkt bleiben muss. Oder ob sie in ihrer Konzept und Hypothesen generierenden Funktion den fundamentalen Hintergrund einer bestimmt gefassten Theorie abzugeben vermögen. Einem Hintergrund, zu dem, ihn auszuschöpfen, die theoretische Hypothesenbildung und –prüfung ständig zurückkehren muss.
Theorien wie theoretische Ansätze bilden ein erkenntnislogisches Ganzes, das aus vielfältigen mehr oder minder qualifizierten Teilerkenntnissen besteht, welche in den einzelnen Bestandteilen inkorporiert sind. Daher sollten alle zur Erklärung erhobener Tatbestände über soziales Handeln und Prozessdaten in sozialen Kollektiven benötigten Theoriebestandteile bei einem Theorienvergleich mitberücksichtigt werden (Lindenberg/Wippler 1979, S. 227).
Es wurde die Mannigfaltigkeit unterschiedlich möglicher Theorieteile an einem kombinierten Deduktionsmodell demonstriert. Dieses Schema ist nur als Grundmuster der Exposition der einzelnen Elemente einer Erklärung von individuellen und kollektiven Effekten sozialen Handelns aufzufassen. Es ist nicht als forschungsstrategische Direktive misszuverstehen, nur diese eine Erklärungsrichtung vom Individuellen zum Kollektiven zu gehen. Damit ist also keinesfalls ein Präjudiz für den psychologischen Reduktionalismus vorgegeben, auch wenn auf den ersten Blick dies leicht so aufgefasst werden könnte.
Aus dem Lindenberg/Wippler-Modell ergeben sich folgende Bestandteile von theoretischer Erklärung sozialer Prozesse:
a) Propositionen über Individuen;
b) Anfangsbedingungen;
c) Korrespondenzregeln;
d) idealtypische oder konkrete Beschreibungen sozialer Situationen;
e) Transformationsregeln;
f) Randbedingungen;
g) individuelle Effekte;
h) kollektive Tatbestände und Prozesse.
Zur genaueren Erläuterung:
Mittels Korrespondenzregeln werden Situationsbeschreibungen in die theoretische Sprache der Propositionen über Individuen übersetzt.
Transformationsregeln geben an, wie individuelle in kollektive Propositionen überführt werden können. Sie können partielle Definitionen darstellen ("partiell", weil das Definiendum nicht durchgängig durch das Definiens ersetzt werden kann), Implikationsaussagen oder mathematische Modelle (S. 222 ff.).
Auch sollte die Unterscheidung zwischen Anfangsbedingungen und Randbedingungen beachtet werden; Anfangsbedingungen sind in der Beobachtungssprache, Randbedingungen in der Theoriesprache formuliert; erstere üben ihre Funktion bei der Ableitung individueller, letztere bei der Ableitung kollektiver Effekte aus (S. 230).
Auf Grundlage dieses Modells lassen sich die spezifischen Defizite und Vorzüge der verschiedenen theoretischen Paradigmata identifizieren und näher beleuchten. Zudem ergeben sich aus ihm heraus heuristische Variationsmöglichkeiten, um im fruchtbaren Eklektizismus die positiven Elemente unterschiedlicher theoretischer Ansätze herauszuschälen und miteinander zu kombinieren.
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Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Opp 1978: Karl-Dieter Opp, Probleme und Strategien des Theorienvergleichs, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 213-218.
Wippler 1978: Reinhard Wippler, Die Ausarbeitung theoretischer Ansätze zu erklärungskräftigen Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 196-212.
Lindenberg/Wippler 1978: Siegwart Lindenberg, Reinhard Wippler, Theorienvergleich: Elemente der Rekonstruktion, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 219-231.
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3.) In Bezug auf welche Kriterien sollen Theorien bewertet und wie über ihre relative Leistungsfähigkeit entschieden werden?
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Die Unzulänglichkeit vorliegender Theorienvergleiche ist dadurch begründet, dass in der Regel bereits die eingesetzten Metatheorien divergieren bzw. kontrovers sind. Das hat zur direkten Konsequenz, dass auch die Kriterien und das methodische Vorgehen beim Theorienvergleich nicht dieselben und damit heftig umstritten sind.
Die methodologische Situation wird andererseits auch nicht viel günstiger, wenn die bislang eingesetzten Metatheorien nichts oder zu wenig zur Methodologie eines Theorienvergleichs von sich aus anbieten oder überhaupt hergeben.
Typischer Weise verlief bislang Theorienvergleich in dieser asymmetrischen Weise (Matthes 1978, S. 16):
Der Kritiker nimmt stets den eigenen metatheoretischen Standpunkt fraglos als wahren Ausgangspunkt an.
T' wird dann in die Sprache von T übersetzt. Dabei werden Defizite, seltener Vorzüge von T' gegenüber T dingfest gemacht.
Soweit T' eine von M unterschiedene Metatheorie M' unterliegt, wird auch T' an den von M gelieferten Erfolgskriterien und Problemmaßstäben gemessen.
Dies asymmetrische Verfahren von Theoriekritik ist offensichtlich ohne Weiteres mit vertauschten Rollen umkehrbar.
Der so kritisierte Theoretiker von T' kann dasselbe mittels M' der Theorie T antun.
Am Schluss einer solchen Veranstaltung stellt sich natürlich die Frage:
* Wer ist der Gewinner oder Verlierer?
* Welche Theorie hat mehr Leistungen verzeichnet, welche mehr Mängel?
Da die Bewertungskriterien in diesem Leistungsvergleich zugegebenermaßen differieren, scheint die Frage ohne Weiteres so nicht beantwortbar.
Angemessene Beurteilungskriterien können aber nirgends anders als aus einer Metatheorie her kommen! Es muss dabei ebenfalls eingesehen und anerkannt werden, dass das Prinzip der Konkurrenz von Theorien sowie die Methodologie des Theorienpluralismus in analoger Weise auf der Ebene der metatheoretischen Paradigmata angewandt werden muss.
Es sind somit dreierlei Situationen vorstellbar:
1. T und T' haben dieselbe Metatheorie M zur gemeinsamen Voraussetzung.
2. T und T' setzen untereinander konkurrierende Metatheorien M und M' voraus, wobei über den Vorzug von M oder M' nicht entschieden ist.
3. T und T' setzen untereinander konkurrierende Metatheorien M und M' voraus, wobei wir zum gegebenem Zeitpunkt X glauben, genug Gründe vorliegen haben, über den alternativen Vorzug von M oder M' entscheiden zu können.
Der Fall (1) ist hier insoweit trivial, als die Explikation von der Kriterien intertheoretischer Prüfung konsistent aus einundderselben Metatheorie heraus unternommen werden kann. Die Kriterien für die Adäquanz der Problemlösung sind mit dieser Metatheorie gegeben und hängen nur noch von deren Entwicklungsstand und Ausarbeitungsniveau ab.
Fall (3) ist nach Erarbeitung des geforderten Entscheidungsverfahrens und unter dessen Voraussetzung auf Fall (1) rückführbar.
Der schwierigste und realiter wohl am häufigste vorkommende Fall dürfte Nr. (2) sein.
Nun wäre es gewiss falsch, zu meinen, die Zielsetzung der Kritikmaximierung in der Theorienkonkurrenz mache es unabdingbar, sich der Wahrheit durch ein K.O.-Verfahren der totalen Eliminierung der einmal falsifizierten Theorien (so Opp 1978, S. 213) anzunähern.
Da nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Falschheit einer empirischen Theorie (und noch viel weniger die eines fragmentarischen Theorieansatzes) niemals absolut und ein für allemal bewiesen werden kann, bedeutet totale Elimination einer als falsch erachteten Theorie nichts anderes als eine bestimmte möglicherweise kritische Instanz für immer und ewig aus dem Spiel auszuschließen.
Die methodologisch korrekte Alternative kann nur lauten, zu versuchen, die "falsifizierte" Theorie versuchen zu verstärken, also danach zu streben, sie fruchtbar weiterzuentwickeln. (Im Allgemeinen wird dies nicht ein Kritiker als seine persönliche Aufgabe betrachten, sondern vielmehr der Verteidiger der kritisierten Position. Aber es geht uns hier nicht darum, eine Methodologie auf bestimmte Personen oder Rollenkategorien zuzuschendien, sondern um eine Methodologie für Wissenschaft schlechthin.).
Damit sind wir jedoch wieder bei der Frage der Kriterien der Theorienbewertung und des Entscheidungsverfahrens über die Zulassung von Theorien zum Wettbewerb angelangt.
Da wir jedoch, wie wir soeben gemerkt haben, gar nicht auf das Ziel der Elimination irgendeiner Theorie T, T', ... bzw. irgendeines Bewerbers aus dieser Serie verpflichtet sind (es sei denn, aus praktischen Gründen oder Zwängen), sind wir auch gar nicht gezwungen, zwischen M oder M' uns ein für allemal zu entscheiden.
Wir können somit ein Verfahren von Theorienprüfung konzipieren, wobei sukzessive T und T' untereinander, M mit M' sowie T mit M' und T' mit M konfrontiert werden müssen.
Schematisch kann man unser Modell so darstellen:
M0, M1, M2, ...
T0, T1, T2, ...
M'0, M'1, M'2, ...
T'0, T'1, T'2, ...
Durch die gegenseitige Konfrontation der Metatheorien und ihre kritische Überprüfung aneinander und an anderen Prüfinstanzen wird aus M0 die neue Version M1 sowie aus ihrem Widerpart M'0 deren neue Version M'1.
Der Prozess der wechselseitigen Theorienkritik durch Einbeziehung der jeweiligen Metatheorien kann zum Beispiel nach folgendem Muster ablaufen:
T0 wird mit T'0 gemäß M0 bzw. M1 konfrontiert.
Aus diesem Prozess erhält man als vorläufige Resultate sowohl T1 als auch T'1.
Bei diesem Verfahren tritt an die Stelle eliminativer Konkurrenz ein permanenter Revisionismus alternativ ausgerichteter und gehandhabter Theorien bzw. theoretischer Paradigmata. Außerdem werden in diesen Revisionismus stets auch die relevanten metatheoretischen Grundlagen miteinbezogen und ggf. mitrevidiert. Das geht auch kaum anders; denn Theoriendiskussion ohne metatheoretische Überlegung ist so gut wie unmöglich. Nur zeitweilig lassen sich solche Erwägungen in gewissen Grenzen bei einer Debatte ausklammern.
Man kann eben die Wahrheit von Theorien nicht per Konsens oder etwa durch Mehrheitsbeschluss der Diskursteilnehmer feststellen. Der Weg zu einer besseren Theorie führt nicht über die Vermeidung wissenschaftstheoretischer Kontroversen (Matthes 1978, S. 17), sondern über deren Austragung in einem expliziten und transparenten Verfahren. Und das will die Methodologie des Theorienvergleich in Verbindung mit dem Programm des Theorienpluralismus gerade bezwecken.
Die "geläufige konfrontatorische Diskussion etablierter Theorien" (S. 13) stellt meist deshalb keine fruchtbare, echte Konfrontation von Theorien dar, weil sie unter den angewandten Selbstdarstellungs-, Abgrenzungs- und Verdunkelungsstrategien der jeweiligen Vertreter leidet, welche instinktiv zur Selbstverteidigung, damit aber auch zur Immunisierung gegen die Kritik durch Alternativen so häufig mobilisiert werden.
Man könnte jetzt freilich gegen das vorstehend exponierte Schema des permanenten Revisionismus einzuwenden versuchen, es verfehle das selbst gesetzte Ziel, eine Methodologie der Kritikmaximierung zu formulieren, insofern es nichts weiter als den empirisch beschreibbaren typischen Ablauf intertheoretischer Beeinflussungsmuster nachzeichne. Somit gebe es außer Mittel der Deskription nichts darüber hinaus an die Hand, um Kriterien der Optimierung dieses Ablaufs von Erkenntnisprozessen aufstellen zu können. Oder um den Erkenntnisfortschritt tatsächlich messbar zu machen.
Selbst wenn die Hauptleistung dieses Modells lediglich in systematischer Beschreibbarkeit und Orientierung läge, so ist dies keineswegs gering zu veranschlagen, insbesondere in Anbetracht der ziemlich verfahrenen Diskussionssituation um das Thema Theorienvergleich, die man wohl als von Ambiguität beherrscht kennzeichnen könnte. Darüber hinaus ergeben sich aber bereits durch die Anlage dieses Modells fast von selbst relativ eindeutig umrissene Lücken bzw. Aufgabenfelder zur Ausfüllung bzw. Bearbeitung. Das ist vermutlich nicht mehr, als was man von einem Schema erwarten sollte.
Theorienvergleich wird dabei nicht bloß als ein Mittel zur Theorienprüfung gefasst (S. 7f), sondern als das Verfahren der Theorienprüfung selbst. Dass die Diskussion beim Übergang vom Theorienvergleich zur Theorienprüfung schon endet, beweist, dass die bisherige Diskussion noch nicht mehr als ein unverbindliches Vorgeplänkel war.
Ein methodologisch unscharfes Bild vom Theorienvergleich als solchem verstellt den Blick auf den weiteren Weg und beeinträchtigt, das jeweils Erreichte angemessen zu beurteilen.
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Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Matthes 1978: Joachim Matthes, Die Diskussion um den Theorienvergleich seit dem Kasseler Soziologentag 1974, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 7-20.
Opp 1978: Karl-Dieter Opp, Probleme und Strategien des Theorienvergleichs, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 213-218.
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Die Unzulänglichkeit vorliegender Theorienvergleiche ist dadurch begründet, dass in der Regel bereits die eingesetzten Metatheorien divergieren bzw. kontrovers sind. Das hat zur direkten Konsequenz, dass auch die Kriterien und das methodische Vorgehen beim Theorienvergleich nicht dieselben und damit heftig umstritten sind.
Die methodologische Situation wird andererseits auch nicht viel günstiger, wenn die bislang eingesetzten Metatheorien nichts oder zu wenig zur Methodologie eines Theorienvergleichs von sich aus anbieten oder überhaupt hergeben.
Typischer Weise verlief bislang Theorienvergleich in dieser asymmetrischen Weise (Matthes 1978, S. 16):
Der Kritiker nimmt stets den eigenen metatheoretischen Standpunkt fraglos als wahren Ausgangspunkt an.
T' wird dann in die Sprache von T übersetzt. Dabei werden Defizite, seltener Vorzüge von T' gegenüber T dingfest gemacht.
Soweit T' eine von M unterschiedene Metatheorie M' unterliegt, wird auch T' an den von M gelieferten Erfolgskriterien und Problemmaßstäben gemessen.
Dies asymmetrische Verfahren von Theoriekritik ist offensichtlich ohne Weiteres mit vertauschten Rollen umkehrbar.
Der so kritisierte Theoretiker von T' kann dasselbe mittels M' der Theorie T antun.
Am Schluss einer solchen Veranstaltung stellt sich natürlich die Frage:
* Wer ist der Gewinner oder Verlierer?
* Welche Theorie hat mehr Leistungen verzeichnet, welche mehr Mängel?
Da die Bewertungskriterien in diesem Leistungsvergleich zugegebenermaßen differieren, scheint die Frage ohne Weiteres so nicht beantwortbar.
Angemessene Beurteilungskriterien können aber nirgends anders als aus einer Metatheorie her kommen! Es muss dabei ebenfalls eingesehen und anerkannt werden, dass das Prinzip der Konkurrenz von Theorien sowie die Methodologie des Theorienpluralismus in analoger Weise auf der Ebene der metatheoretischen Paradigmata angewandt werden muss.
Es sind somit dreierlei Situationen vorstellbar:
1. T und T' haben dieselbe Metatheorie M zur gemeinsamen Voraussetzung.
2. T und T' setzen untereinander konkurrierende Metatheorien M und M' voraus, wobei über den Vorzug von M oder M' nicht entschieden ist.
3. T und T' setzen untereinander konkurrierende Metatheorien M und M' voraus, wobei wir zum gegebenem Zeitpunkt X glauben, genug Gründe vorliegen haben, über den alternativen Vorzug von M oder M' entscheiden zu können.
Der Fall (1) ist hier insoweit trivial, als die Explikation von der Kriterien intertheoretischer Prüfung konsistent aus einundderselben Metatheorie heraus unternommen werden kann. Die Kriterien für die Adäquanz der Problemlösung sind mit dieser Metatheorie gegeben und hängen nur noch von deren Entwicklungsstand und Ausarbeitungsniveau ab.
Fall (3) ist nach Erarbeitung des geforderten Entscheidungsverfahrens und unter dessen Voraussetzung auf Fall (1) rückführbar.
Der schwierigste und realiter wohl am häufigste vorkommende Fall dürfte Nr. (2) sein.
Nun wäre es gewiss falsch, zu meinen, die Zielsetzung der Kritikmaximierung in der Theorienkonkurrenz mache es unabdingbar, sich der Wahrheit durch ein K.O.-Verfahren der totalen Eliminierung der einmal falsifizierten Theorien (so Opp 1978, S. 213) anzunähern.
Da nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Falschheit einer empirischen Theorie (und noch viel weniger die eines fragmentarischen Theorieansatzes) niemals absolut und ein für allemal bewiesen werden kann, bedeutet totale Elimination einer als falsch erachteten Theorie nichts anderes als eine bestimmte möglicherweise kritische Instanz für immer und ewig aus dem Spiel auszuschließen.
Die methodologisch korrekte Alternative kann nur lauten, zu versuchen, die "falsifizierte" Theorie versuchen zu verstärken, also danach zu streben, sie fruchtbar weiterzuentwickeln. (Im Allgemeinen wird dies nicht ein Kritiker als seine persönliche Aufgabe betrachten, sondern vielmehr der Verteidiger der kritisierten Position. Aber es geht uns hier nicht darum, eine Methodologie auf bestimmte Personen oder Rollenkategorien zuzuschendien, sondern um eine Methodologie für Wissenschaft schlechthin.).
Damit sind wir jedoch wieder bei der Frage der Kriterien der Theorienbewertung und des Entscheidungsverfahrens über die Zulassung von Theorien zum Wettbewerb angelangt.
Da wir jedoch, wie wir soeben gemerkt haben, gar nicht auf das Ziel der Elimination irgendeiner Theorie T, T', ... bzw. irgendeines Bewerbers aus dieser Serie verpflichtet sind (es sei denn, aus praktischen Gründen oder Zwängen), sind wir auch gar nicht gezwungen, zwischen M oder M' uns ein für allemal zu entscheiden.
Wir können somit ein Verfahren von Theorienprüfung konzipieren, wobei sukzessive T und T' untereinander, M mit M' sowie T mit M' und T' mit M konfrontiert werden müssen.
Schematisch kann man unser Modell so darstellen:
M0, M1, M2, ...
T0, T1, T2, ...
M'0, M'1, M'2, ...
T'0, T'1, T'2, ...
Durch die gegenseitige Konfrontation der Metatheorien und ihre kritische Überprüfung aneinander und an anderen Prüfinstanzen wird aus M0 die neue Version M1 sowie aus ihrem Widerpart M'0 deren neue Version M'1.
Der Prozess der wechselseitigen Theorienkritik durch Einbeziehung der jeweiligen Metatheorien kann zum Beispiel nach folgendem Muster ablaufen:
T0 wird mit T'0 gemäß M0 bzw. M1 konfrontiert.
Aus diesem Prozess erhält man als vorläufige Resultate sowohl T1 als auch T'1.
Bei diesem Verfahren tritt an die Stelle eliminativer Konkurrenz ein permanenter Revisionismus alternativ ausgerichteter und gehandhabter Theorien bzw. theoretischer Paradigmata. Außerdem werden in diesen Revisionismus stets auch die relevanten metatheoretischen Grundlagen miteinbezogen und ggf. mitrevidiert. Das geht auch kaum anders; denn Theoriendiskussion ohne metatheoretische Überlegung ist so gut wie unmöglich. Nur zeitweilig lassen sich solche Erwägungen in gewissen Grenzen bei einer Debatte ausklammern.
Man kann eben die Wahrheit von Theorien nicht per Konsens oder etwa durch Mehrheitsbeschluss der Diskursteilnehmer feststellen. Der Weg zu einer besseren Theorie führt nicht über die Vermeidung wissenschaftstheoretischer Kontroversen (Matthes 1978, S. 17), sondern über deren Austragung in einem expliziten und transparenten Verfahren. Und das will die Methodologie des Theorienvergleich in Verbindung mit dem Programm des Theorienpluralismus gerade bezwecken.
Die "geläufige konfrontatorische Diskussion etablierter Theorien" (S. 13) stellt meist deshalb keine fruchtbare, echte Konfrontation von Theorien dar, weil sie unter den angewandten Selbstdarstellungs-, Abgrenzungs- und Verdunkelungsstrategien der jeweiligen Vertreter leidet, welche instinktiv zur Selbstverteidigung, damit aber auch zur Immunisierung gegen die Kritik durch Alternativen so häufig mobilisiert werden.
Man könnte jetzt freilich gegen das vorstehend exponierte Schema des permanenten Revisionismus einzuwenden versuchen, es verfehle das selbst gesetzte Ziel, eine Methodologie der Kritikmaximierung zu formulieren, insofern es nichts weiter als den empirisch beschreibbaren typischen Ablauf intertheoretischer Beeinflussungsmuster nachzeichne. Somit gebe es außer Mittel der Deskription nichts darüber hinaus an die Hand, um Kriterien der Optimierung dieses Ablaufs von Erkenntnisprozessen aufstellen zu können. Oder um den Erkenntnisfortschritt tatsächlich messbar zu machen.
Selbst wenn die Hauptleistung dieses Modells lediglich in systematischer Beschreibbarkeit und Orientierung läge, so ist dies keineswegs gering zu veranschlagen, insbesondere in Anbetracht der ziemlich verfahrenen Diskussionssituation um das Thema Theorienvergleich, die man wohl als von Ambiguität beherrscht kennzeichnen könnte. Darüber hinaus ergeben sich aber bereits durch die Anlage dieses Modells fast von selbst relativ eindeutig umrissene Lücken bzw. Aufgabenfelder zur Ausfüllung bzw. Bearbeitung. Das ist vermutlich nicht mehr, als was man von einem Schema erwarten sollte.
Theorienvergleich wird dabei nicht bloß als ein Mittel zur Theorienprüfung gefasst (S. 7f), sondern als das Verfahren der Theorienprüfung selbst. Dass die Diskussion beim Übergang vom Theorienvergleich zur Theorienprüfung schon endet, beweist, dass die bisherige Diskussion noch nicht mehr als ein unverbindliches Vorgeplänkel war.
Ein methodologisch unscharfes Bild vom Theorienvergleich als solchem verstellt den Blick auf den weiteren Weg und beeinträchtigt, das jeweils Erreichte angemessen zu beurteilen.
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Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Matthes 1978: Joachim Matthes, Die Diskussion um den Theorienvergleich seit dem Kasseler Soziologentag 1974, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 7-20.
Opp 1978: Karl-Dieter Opp, Probleme und Strategien des Theorienvergleichs, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 213-218.
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2.) Ist Theorienvergleich überhaupt möglich?
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Die Diskussion des Theorienvergleichs droht jedoch zu scheitern, bevor sie überhaupt begonnen hat.
Es wird nämlich angezweifelt, ob Theorien überhaupt in jedem Falle miteinander verglichen werden können.
Die Inkommensurabilitäts-These lautet in der Explikation von Giesen/Schmid (1978, S. 234) wie folgt:
"1. Ein theoretischer Begriff (oder die Menge aller theoretischern Begriffe) S in einer Theorie T kann nur dann verstanden werden, wenn die zentralen Behauptungen von T bekannt sind:
Die Bedeutung von S ergibt sich aus der Verwendung von S in T.
2. Wenn T durch eine andere Theorie T' modifiziert oder ersetzt wird, ändert sich folglich die Bedeutung von S auch dann, wenn S sowohl in T wie in T' Verwendung findet."
Gegen These 1 lässt sich einwenden, dass sie überzogen erscheint. In der Regel ist bei den meisten Begriffen einer Theorie bereits ein gewisses Vorverständnis vorhanden (S. 235), so dass sich ihre Bedeutung nicht erst aus dem Gebrauch innerhalb der bestimmten Theorie ergibt (es sei denn, man wendet hierbei mit Absicht eine entsprechende Immunisierungsstrategie an!).
Des Weiteren wird die Zusatzthese vertreten, dass jede Theorie T durch ihre Begrifflichkeit S ihren eigenen empirischen Geltungsbereich bestimmte.
Dies ist jedoch ein Fehlschluss aus der (völlig richtigen These), dass die schon die Konstatierung eines singulären Sachverhalts zumindest eine minimale Theorie zur Voraussetzung hat, auf die falsche These, dass allein eine bestimmte Theorie T diese Voraussetzung erfüllen könne. Vielmehr können diese Theoriefunktion auch sog. "Hintergrundstheorien" (wie etwa Mess- oder Beobachtungstheorien) hinreichend erfüllen (S. 235).
Gegen These 2 ist einzuwenden, dass auch sie den Bedeutungswechsel von S in T nach T' in übertriebener Weise dramatisiert. Zum einen kann es sehr wohl vorkommen, dass die Bedeutung eines Begriffs innerhalb einer anderen Theorie T' gegenüber derjenigen in T völlig oder nahezu identisch bleibt.
Zum anderen reicht es für Zwecke vergleichender Kritik meist durchaus aus, wenn die Begriffe S und S' vielleicht nicht in ihrer Intension, jedoch in ihrer Extension übereinstimmen (S. 236).
Die vorgebrachten Argumente sind so schlagend, dass die Inkommensurabilitäts-These zumindest in ihrer radikalen Form nicht aufrechterhalten werden kann. Plausibel werden die Gegenargumente auch durch den Hinweis auf den wissenschaftsgeschichtlich erhärtbaren Fakt, dass intertheoretische Kritik und auf Grundlage derselben eine Abänderung von Theorien immer schon stattgefunden haben. Es scheint recht unwahrscheinlich, dass sich all diese Vorgänge außerhalb oder gar gegen jedwede Logik abgespielt haben sollten.
Sehr viel wichtiger als die Frage, ob es eine absolute Inkommensurabilität gibt oder nicht gibt, ist die Feststellung, dass durch die Beschäftigung mit dieser vordergründigen Frage der Blick auf diese methodologische Entscheidungssituation verstellt wird:
* Wollen wir Kritisierbarkeit von Theorien herstellen?
* Oder wollen wir das Bedeutungs- und Anwendungsgebiet einer Theorie so abschotten, dass sie mit nichts und niemandem kollidieren kann?
Was würde letzteres nutzen, außer dem Theoretiker ein trügerisches Gefühl der Sicherheit zu verschaffen. Und ein kommunikationsloses Hoheitsgebiet, womit man höchstens anderen armen Geistern (scholastische Gelehrte und ihre Dogmatik gläubigen Schüler) imponieren könnte.
Herstellung von Kritisierbarkeit heißt Exposition der eigenen Theorie in einer für intertheoretische Kritik offenen Sprache. In Gegensatz zum Verschanzen hinter einer eigenen, selbst gestrickten esoterischen Sprache.
Letztere Tendenz zu bekämpfen, kann Kommensurabilität und damit Kritikfähigkeit immer durch die Erfindung geeigneter Übersetzungsregeln hergestellt werden.
Selbstverständlich muss eingeräumt werden, dass es durchaus der Fall sein kann, dass in bestimmten Einzelfällen T und T' tatsächlich inkommensurabel sein können. T und T' können insofern aneinander vorbei sprechen, als sie über völlig heterogene Sachgebiete sprechen. Dann ist ein Vergleich sinnvoll kaum möglich. Allenfalls kann man dann versuchen, eine Theorie T'' zu konstruieren, welche sowohl T als auch T' bzw. deren Anwendungsfälle in sich aufzunehmen erlaubte.
Letztlich ist auch noch zuzugeben, dass eine Vergleichbarkeit zweier Theorien T und T' meist nicht ohne weiteres gegeben ist. Die theoretischen Ansätze oder Theorien müssen in der Regel erst sorgfältig rekonstruiert und dabei sprachlich so präzisiert werden, dass eine fruchtbare Diskussion über beide zusammen erst durchführbar erscheint. Dabei entsteht häufig ein Problem der Identifizierbarkeit bzw. des authentischen harten Kerns einer bestimmten Theorie.
Zum Beispiel der Historische Materialismus: Was sagt dieser denn über das Klassenbewusstsein? Was ist überhaupt seine zentrale Aussage, womit er seine Identität verlöre, wenn man sie aufgäbe?
Häufig mag der Fall sein, das sich die Anwendungsbereiche zweier Theorie abstrakt gesehen überschneiden mögen. Es liegen jedoch die betreffenden Theorien formal in unterschiedlich gut ausgearbeiteter Form vor. Wenn man beide geziemend vergleichen möchte, muss man erst beide auf dasselbe Niveau der Formalisierung heben. Das ist keine prinzipielle Schwierigkeit; wohl aber kann die praktische Umsetzung umständlich sein sowie Zeit und Mühe erfordern.
Die Inkommensurabilitäts-These weist ferner auch eine wissenssoziologische Dimension auf. Unterschiedliche Theorien sind aus unterschiedlichen Lebens- und Sinnzusammenhängen heraus entstanden; allein schon daraus erwachsen in sprachlich-pragmatischer Hinsicht Kommunikationsschranken.
"Wenn wir ein Paradigma verstehen wollen, müssen wir in ihm sein, d.h. wir müssen es 'praktisch' übernehmen: mittun beim Handeln derer, die es besitzen, miterleben, was für sie problematisch ist, wie sie Probleme lösen usw.; es bedarf in der Tat eines Übergangs in eine fremde Wirklichkeit. Ohne diesen lässt sich der Sinn der aus ihr geborenen Theorien nicht angemessen erfassen." (Klinkmann, zit. bei Matthes 1978, S. 20)
Auch hier gilt, dass hier unzulässiger Weise eine praktische Schwierigkeit zu einer prinzipiellen Unmöglichkeit überhöht wird.
Klinkmann deutet diese Einsicht selber an, wenn er sagt, dass "gegenwärtig" keine Gruppe von Wissenschaftlern existiere, die in mehreren Paradigmata zu Hause sei. Was "gegenwärtig" nicht existiert, kann gestern existiert haben bzw. morgen existieren!
Wenn dies Argument wahr wäre, dürft es auch völlig unmöglich sein, aus einer lebendigen Sprache in eine andere zu übersetzen. Oder überhaupt eine Fremdsprache als Fremdsprache zu lernen. Denn auch hier gilt das Argument vom unterschiedlichen Sinn- und Lebenszusammenhang, etwa der Deutschen und der Chinesen.
Dass eine solche Übersetzbarkeit praktisch immer nur bis zu einer bestimmten Grenze zu bewältigen sein wird, das kann zugestanden werden. Der mit praktisch vertretbarem Aufwand erzielbare Grad an Verständigung dürfte aber in der Regel stets hinreichen, um eine fruchtbare wechselseitige Kritik zwischen beiden Welten austauschen zu können.
Unterschiedliche Erkenntnisinteressen können zu unterschiedlichen Problemstellungen für die wissenschaftliche Forschung führen. Wissenschaftliche Probleme unterscheiden sich meistens dadurch, dass sie in unterschiedlichen Intentionszusammenhängen stehen. Damit ist jedoch nicht notwendiger Weise eine "Partikularisierung" (S. 14) des Geltungsbereiches der einzelnen Theorien verknüpft. Die Beziehung auf ein bestimmtes Erkenntnisinteresse sowie die relevante Problemstellung sollte in jedem Fall aber expliziert werden. Damit ist dann aber nicht die Geltungsproblematik einer Theorie angesprochen, sondern die Relevanz von Forschung und Forschungspolitik für die Wissenschaft in deren jeweiliger Gesellschaft.
Man kann aus unterschiedlichen, ja sogar aus gegensätzlichen Interessen auf dasselbe Forschungsproblem stoßen. Schwerwiegende Probleme für eine intertheoretische Kritik entstehen hieraus grundsätzlich nicht. Wenn auch gegenläufige Interessen zum Ansteigen des Rauschens im Kommunikationskanal wegen sachfremder Polemiken oder Vertauschen von Sachargumenten mit Werturteilen führen mögen.
Es ist auch die Möglichkeit einer fruchtbare Kritik zwischen T und T' vorstellbar, welche zwar aufgrund unterschiedlicher Problemstellungen P bzw. P' gebildet wurden, nichtsdestoweniger eine Schnittmenge eines gemeinsamen Objektbereich aufweisen können. Hierbei dreht es sich also darum, die Meinungsdifferenzen auf dem Felde auszutragen, wo sie effektiv vorhanden sind. Und nicht sogleich das Kind des Theorienvergleichs mit dem Badewasser der divergierenden Erkenntnisinteressen auszuschütten.
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Giesen/Schmid 1978: Bernard Giesen, Michael Schmid, Methodologische Modelle und soziologische Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 232-254.
Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Matthes 1978: Joachim Matthes, Die Diskussion um den Theorienvergleich seit dem Kasseler Soziologentag 1974, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 7-20.
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Die Diskussion des Theorienvergleichs droht jedoch zu scheitern, bevor sie überhaupt begonnen hat.
Es wird nämlich angezweifelt, ob Theorien überhaupt in jedem Falle miteinander verglichen werden können.
Die Inkommensurabilitäts-These lautet in der Explikation von Giesen/Schmid (1978, S. 234) wie folgt:
"1. Ein theoretischer Begriff (oder die Menge aller theoretischern Begriffe) S in einer Theorie T kann nur dann verstanden werden, wenn die zentralen Behauptungen von T bekannt sind:
Die Bedeutung von S ergibt sich aus der Verwendung von S in T.
2. Wenn T durch eine andere Theorie T' modifiziert oder ersetzt wird, ändert sich folglich die Bedeutung von S auch dann, wenn S sowohl in T wie in T' Verwendung findet."
Gegen These 1 lässt sich einwenden, dass sie überzogen erscheint. In der Regel ist bei den meisten Begriffen einer Theorie bereits ein gewisses Vorverständnis vorhanden (S. 235), so dass sich ihre Bedeutung nicht erst aus dem Gebrauch innerhalb der bestimmten Theorie ergibt (es sei denn, man wendet hierbei mit Absicht eine entsprechende Immunisierungsstrategie an!).
Des Weiteren wird die Zusatzthese vertreten, dass jede Theorie T durch ihre Begrifflichkeit S ihren eigenen empirischen Geltungsbereich bestimmte.
Dies ist jedoch ein Fehlschluss aus der (völlig richtigen These), dass die schon die Konstatierung eines singulären Sachverhalts zumindest eine minimale Theorie zur Voraussetzung hat, auf die falsche These, dass allein eine bestimmte Theorie T diese Voraussetzung erfüllen könne. Vielmehr können diese Theoriefunktion auch sog. "Hintergrundstheorien" (wie etwa Mess- oder Beobachtungstheorien) hinreichend erfüllen (S. 235).
Gegen These 2 ist einzuwenden, dass auch sie den Bedeutungswechsel von S in T nach T' in übertriebener Weise dramatisiert. Zum einen kann es sehr wohl vorkommen, dass die Bedeutung eines Begriffs innerhalb einer anderen Theorie T' gegenüber derjenigen in T völlig oder nahezu identisch bleibt.
Zum anderen reicht es für Zwecke vergleichender Kritik meist durchaus aus, wenn die Begriffe S und S' vielleicht nicht in ihrer Intension, jedoch in ihrer Extension übereinstimmen (S. 236).
Die vorgebrachten Argumente sind so schlagend, dass die Inkommensurabilitäts-These zumindest in ihrer radikalen Form nicht aufrechterhalten werden kann. Plausibel werden die Gegenargumente auch durch den Hinweis auf den wissenschaftsgeschichtlich erhärtbaren Fakt, dass intertheoretische Kritik und auf Grundlage derselben eine Abänderung von Theorien immer schon stattgefunden haben. Es scheint recht unwahrscheinlich, dass sich all diese Vorgänge außerhalb oder gar gegen jedwede Logik abgespielt haben sollten.
Sehr viel wichtiger als die Frage, ob es eine absolute Inkommensurabilität gibt oder nicht gibt, ist die Feststellung, dass durch die Beschäftigung mit dieser vordergründigen Frage der Blick auf diese methodologische Entscheidungssituation verstellt wird:
* Wollen wir Kritisierbarkeit von Theorien herstellen?
* Oder wollen wir das Bedeutungs- und Anwendungsgebiet einer Theorie so abschotten, dass sie mit nichts und niemandem kollidieren kann?
Was würde letzteres nutzen, außer dem Theoretiker ein trügerisches Gefühl der Sicherheit zu verschaffen. Und ein kommunikationsloses Hoheitsgebiet, womit man höchstens anderen armen Geistern (scholastische Gelehrte und ihre Dogmatik gläubigen Schüler) imponieren könnte.
Herstellung von Kritisierbarkeit heißt Exposition der eigenen Theorie in einer für intertheoretische Kritik offenen Sprache. In Gegensatz zum Verschanzen hinter einer eigenen, selbst gestrickten esoterischen Sprache.
Letztere Tendenz zu bekämpfen, kann Kommensurabilität und damit Kritikfähigkeit immer durch die Erfindung geeigneter Übersetzungsregeln hergestellt werden.
Selbstverständlich muss eingeräumt werden, dass es durchaus der Fall sein kann, dass in bestimmten Einzelfällen T und T' tatsächlich inkommensurabel sein können. T und T' können insofern aneinander vorbei sprechen, als sie über völlig heterogene Sachgebiete sprechen. Dann ist ein Vergleich sinnvoll kaum möglich. Allenfalls kann man dann versuchen, eine Theorie T'' zu konstruieren, welche sowohl T als auch T' bzw. deren Anwendungsfälle in sich aufzunehmen erlaubte.
Letztlich ist auch noch zuzugeben, dass eine Vergleichbarkeit zweier Theorien T und T' meist nicht ohne weiteres gegeben ist. Die theoretischen Ansätze oder Theorien müssen in der Regel erst sorgfältig rekonstruiert und dabei sprachlich so präzisiert werden, dass eine fruchtbare Diskussion über beide zusammen erst durchführbar erscheint. Dabei entsteht häufig ein Problem der Identifizierbarkeit bzw. des authentischen harten Kerns einer bestimmten Theorie.
Zum Beispiel der Historische Materialismus: Was sagt dieser denn über das Klassenbewusstsein? Was ist überhaupt seine zentrale Aussage, womit er seine Identität verlöre, wenn man sie aufgäbe?
Häufig mag der Fall sein, das sich die Anwendungsbereiche zweier Theorie abstrakt gesehen überschneiden mögen. Es liegen jedoch die betreffenden Theorien formal in unterschiedlich gut ausgearbeiteter Form vor. Wenn man beide geziemend vergleichen möchte, muss man erst beide auf dasselbe Niveau der Formalisierung heben. Das ist keine prinzipielle Schwierigkeit; wohl aber kann die praktische Umsetzung umständlich sein sowie Zeit und Mühe erfordern.
Die Inkommensurabilitäts-These weist ferner auch eine wissenssoziologische Dimension auf. Unterschiedliche Theorien sind aus unterschiedlichen Lebens- und Sinnzusammenhängen heraus entstanden; allein schon daraus erwachsen in sprachlich-pragmatischer Hinsicht Kommunikationsschranken.
"Wenn wir ein Paradigma verstehen wollen, müssen wir in ihm sein, d.h. wir müssen es 'praktisch' übernehmen: mittun beim Handeln derer, die es besitzen, miterleben, was für sie problematisch ist, wie sie Probleme lösen usw.; es bedarf in der Tat eines Übergangs in eine fremde Wirklichkeit. Ohne diesen lässt sich der Sinn der aus ihr geborenen Theorien nicht angemessen erfassen." (Klinkmann, zit. bei Matthes 1978, S. 20)
Auch hier gilt, dass hier unzulässiger Weise eine praktische Schwierigkeit zu einer prinzipiellen Unmöglichkeit überhöht wird.
Klinkmann deutet diese Einsicht selber an, wenn er sagt, dass "gegenwärtig" keine Gruppe von Wissenschaftlern existiere, die in mehreren Paradigmata zu Hause sei. Was "gegenwärtig" nicht existiert, kann gestern existiert haben bzw. morgen existieren!
Wenn dies Argument wahr wäre, dürft es auch völlig unmöglich sein, aus einer lebendigen Sprache in eine andere zu übersetzen. Oder überhaupt eine Fremdsprache als Fremdsprache zu lernen. Denn auch hier gilt das Argument vom unterschiedlichen Sinn- und Lebenszusammenhang, etwa der Deutschen und der Chinesen.
Dass eine solche Übersetzbarkeit praktisch immer nur bis zu einer bestimmten Grenze zu bewältigen sein wird, das kann zugestanden werden. Der mit praktisch vertretbarem Aufwand erzielbare Grad an Verständigung dürfte aber in der Regel stets hinreichen, um eine fruchtbare wechselseitige Kritik zwischen beiden Welten austauschen zu können.
Unterschiedliche Erkenntnisinteressen können zu unterschiedlichen Problemstellungen für die wissenschaftliche Forschung führen. Wissenschaftliche Probleme unterscheiden sich meistens dadurch, dass sie in unterschiedlichen Intentionszusammenhängen stehen. Damit ist jedoch nicht notwendiger Weise eine "Partikularisierung" (S. 14) des Geltungsbereiches der einzelnen Theorien verknüpft. Die Beziehung auf ein bestimmtes Erkenntnisinteresse sowie die relevante Problemstellung sollte in jedem Fall aber expliziert werden. Damit ist dann aber nicht die Geltungsproblematik einer Theorie angesprochen, sondern die Relevanz von Forschung und Forschungspolitik für die Wissenschaft in deren jeweiliger Gesellschaft.
Man kann aus unterschiedlichen, ja sogar aus gegensätzlichen Interessen auf dasselbe Forschungsproblem stoßen. Schwerwiegende Probleme für eine intertheoretische Kritik entstehen hieraus grundsätzlich nicht. Wenn auch gegenläufige Interessen zum Ansteigen des Rauschens im Kommunikationskanal wegen sachfremder Polemiken oder Vertauschen von Sachargumenten mit Werturteilen führen mögen.
Es ist auch die Möglichkeit einer fruchtbare Kritik zwischen T und T' vorstellbar, welche zwar aufgrund unterschiedlicher Problemstellungen P bzw. P' gebildet wurden, nichtsdestoweniger eine Schnittmenge eines gemeinsamen Objektbereich aufweisen können. Hierbei dreht es sich also darum, die Meinungsdifferenzen auf dem Felde auszutragen, wo sie effektiv vorhanden sind. Und nicht sogleich das Kind des Theorienvergleichs mit dem Badewasser der divergierenden Erkenntnisinteressen auszuschütten.
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Giesen/Schmid 1978: Bernard Giesen, Michael Schmid, Methodologische Modelle und soziologische Theorien, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 232-254.
Hondrich/Matthes 1978: Karl Otto Hondrich, Joachim Matthes (Hrg.), Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften, Darmstadt Neuwied 1978.
Matthes 1978: Joachim Matthes, Die Diskussion um den Theorienvergleich seit dem Kasseler Soziologentag 1974, in: Hondrich/Matthes 1978, S. 7-20.
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1.) Wozu Theorienvergleich?
Verschiedene Theorien miteinander zu vergleichen kann unterschiedliche Zwecke verfolgen:
a) die radikale Zielsetzung
a1) Theorienvergleich als Theorienprüfung:
die eine wahre Theorie auszusieben durch eliminative Konkurrenz (K.O.-Prinzip) und/oder Integration in eine allgemeinere Theorie
a2) Theorienvergleich als Theorienprüfung
im Sinne des Theoretischen Pluralismus (Spinner 1972) als einer Methodologie des Erkenntnisfortschritts, um durch wechselseitige Kritik konkurrierender Theorien zu höherer wissenschaftlicher Erkenntnis fortzuschreiten
b) die moderate Zielsetzung
b1) Theorienvergleich als heuristisches Verfahren,
um den eigenen theoretischen Ansatz zu verbessern und auszubauen, d.h. die Übereinstimmung derselben Theorie mit ihrer empirischen Basis zu erhöhen
b2) Theorienvergleich als Entscheidungshilfe,
um nämlich Kriterien zu gewinnen für die Auswahl und/oder die Kombination theoretischer Ansätze oder Theorien,
um nämlich gemeinsame Problemfelder zu identifizieren und die wissenschaftliche Kommunikation zu verbessern
b3) Theorienvergleich als kooperatives Unternehmen
c) auf der Ebene der Wissenschaftsdisziplin oder von Wissenschaft schlechthin,
um nämlich gemeinsame Problemfelder zu identifizieren und die wissenschaftliche Kommunikation zu verbessern.
Die Zielsetzung a2) erhebt den weitestgehenden Anspruch im Hinblick auf Kritikmaximierung und Erkenntnisfortschritt. Andererseits versteht sich ihr methodischer Zugriff als dermaßen umfassend, dass sie auch die übrigen genannten Zielsetzungen als Unterziele in sich einzuordnen weiß.
Es bietet sich daher an, von der Zielsetzung b2) auszugehen. Auch auf die Gefahr hin, dass viele diese Zielsetzung als praktisch nicht einlösbar, sprich utopisch halten werden, und/oder als mit ihrer eigenen Metatheorie (Theoretischer Monismus und/oder rechtfertigungsorientierter Fundamentalismus) für unvereinbar erachten.
Da jedoch auf Grundlage des Theoretischen Pluralismus jedwede Theorie und/oder Metatheorie in ihrem jeweiligen Erkenntnisgehalt voll ausgeschöpft werden kann, erweist er somit eine höhere Integrationsfähigkeit als jede andere bislang bekannte Metatheorie: Das metatheoretische Paradigma des Theorienpluralismus soll daher auch die Grundlage der hier folgenden Problemexplikation bilden.
Spinner 1972: Helmut F. Spinner: Pluralismus als Erkenntnismodell. Frankfurt/M. 1974.
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